Wirtschaft : Wer zögert, fliegt

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BERND PISCHETSRIEDER

Der Konzern läuft wieder rund, trotzdem muss der Sanierer gehen. Absatz und Ertrag waren nicht die Ursachen für das Ende Bernd Pischetsrieders Ende letzten Jahres an der Spitze des VW-Konzerns. Der Zauderer Pischetsrieder, dessen taktisches Verständnis eigentlich von Risikoarmut geprägt ist, hatte sich mit zu vielen wichtigen Personen angelegt, mit Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und mit der Arbeitnehmerseite um IG-Metall-Chef Jürgen Peters, der als Piëchs Stellvertreter im Aufsichtsrat eine wichtige Stimme hat. Bei Piëch verzockte sich Pischetsrieder, als er im Zusammenhang mit dem Einstieg von Porsche bei VW den Porsche-Miteigentümer Piëch aus dem VW-Aufsichtsrat drängen wollte – wegen vermeintlicher Interessenüberschneidung. Die Gegnerschaft Peters’ zog sich Pischetsrieder durch seine Sanierungspläne zu, die unter anderem die Trennung oder Schließung von Werken mit bis zu 35 000 Mitarbeitern bedeutet hätten. Sowohl Peters als auch Piëch waren schließlich die notorische Entscheidungsschwäche leid: Pischetsrieder ging ihnen nicht energisch genug die Probleme in den USA und in China an und kam auch mit überzeugenden neuen Autos nicht schnell genug auf den Markt. Nachdem im Frühjahr 2006 noch der Vertrag Pischetsrieders bis 2012 verlängert worden war, hatte Piëch im Herbst die notwendige Mehrheit für seinen langjährigen Gefährten, den Audi-Chef Martin Winterkorn, als Nachfolger. Pischetsrieder musste gehen. alf

HARRY ROELS

Die Ertragslage der deutschen Stromkonzerne ist gut – so gut, dass selbst die Regierung alarmiert ist und eine strengere Kartellaufsicht anstrebt. Bei der Nummer zwei, RWE, sieht die Lage so aus: Das Betriebsergebnis ist 2006 um 14 Prozent gestiegen. Der schwächelnde britische Wasserversorger Thames Waters wurde erfolgreich abgestoßen, der Verkaufspreis machte RWE das erste Mal seit 2001 schuldenfrei. Hinter der erfolgreichen Strategie steckt Harry Roels. Der Niederländer hat RWE seit 2003 auf das einträgliche Kerngeschäft Energie konzentriert. Trotzdem muss Roels so schnell wie möglich gehen – mit Auslaufen seines Vertrags am 31. Januar 2008 und mit Erreichen der satzungsmäßigen Altersgrenze (60) bei RWE. Sein Nachfolger steht seit Ende Februar fest: der Sanierungsexperte und Stahlmanager Jürgen Großmann. Roels selber hatte angeboten, noch bis 2009 an der Konzernspitze zu bleiben und die von ihm konzipierte Strategie weiterzuführen. Doch vielen Aufsichtsräten von RWE war Roels zu passiv. Spektakuläre Übernahmen von Energieversorgern, wie sie der Konkurrent Eon betrieben hat, sind nicht Roels Sache. Und auch zum Thema Klimawandel und Strompreise hat man ihn kaum gehört. Die zu schwache Verbindung zum Heimatmarkt Ruhrgebiet wurde ebenfalls bemängelt. Gute Zahlen sprechen oft für sich, aber nicht immer laut genug. hop

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