Wirtschaft : Wer zu spät kommt muss mehr zahlen (Kommentar)

Corinna Visser

Auf dem Telekommunikationsmarkt werden die Karten neu gemischt. Die großen Telekommunikationsunternehmen wollen und müssen sich jetzt die besten Ausgangspositionen auf den schnell wachsenden Märkten von morgen - Mobilfunk und (mobile) Datendienste - sichern. Gerade die ehemaligen Monopolisten wie die Deutsche Telekom, France Télécom oder KPN sind gezwungen, sich neue Absatzmärkte zu suchen, weil sie auf den liberalisierten Heimatmärkten Marktanteile verlieren. Das bringt der Wettbewerb mit sich. Und das ist politisch so gewollt.

Dabei bleibt den Mitspielern nicht viel Zeit: Zum einen werden gerade Mobilfunkunternehmen von Übernahme zu Übernahme immer teurer. Die Telekom wurde für den hohen Preis, den sie für die britsche One-2-One zahlte, heftig kritisiert. Mannesmann zahlte wenige Monate später erheblich mehr für Orange. Auch E-Plus ist umgerechnet auf die Zahl der Kunden teurer. Zum anderen werden die Gelegeneiten knapp. Ironie des Schicksals: France Télécom passiert nun in Deutschland ähnliches, wie dem ehemaligen Partner Deutsche Telekom in Italien. Olivetti verhinderte den Einstieg der Telekom bei Telecom Italia und damit eine starke Stellung des Ex-Monopolisten auf dem italienischen Markt. Eine vergleichbare Gelegenheit hat die Telekom bis heute nicht gefunden. France Télécom und Deutscher Telekom fehlen noch die Akquisitionen, die eine überzeugende Auslandsstrategie erkennen lassen. Auf dem europäischen Markt ist nur Platz für vier bis fünf große Konzerne.

Der KPN ist es gelungen, bei E-Plus gleich drei Zielen näher zu kommen: Sie hat jetzt eine gute Position auf einem der wichtigsten Märkte Europas und einen starken Partner in den USA. Zugleich hat sie sich wertvoller gemacht. Schließlich ist sie besser gegen eine feindliche Übername geschützt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben