Wirtschaft : Werbeagenturen fürchten weitere Verbote

Nach Tabak künftig Alkohol / Sinkende Renditen in der Branche FRANKFURT (MAIN) (ro).Nach dem Verbot für Tabakwerbung befürchten die deutschen Werbeagenturen Werbeeinschränkungen für weitere Produkte."Die Schubladen der nationalen Behörden und der EU-Kommission in Brüssel sind voll von Vorschlägen", sagt Lothar S.Leonhard, Präsident des Gesamtverbandes Werbeagenturen (GWA).Bundesgesundheitsminister Seehofer sei längst darauf fixiert, etwa die Bierwerbung bei der TV-Übertragung von Fußballspielen zu verbieten."Das Verbot der Alkoholwerbung kommt als nächstes", sagt Leonhard.Einschränkungen befürchtet er auch bei Spielzeug und bei Süßigkeiten.Dabei rechnet jede vierte Werbeagentur in Deutschland schon mit negativen Folgen durch das drohende EU-Verbot für die Tabakwerbung.Dabei geht es nach Angaben von Leonhard immerhin um ein Werbevolumen von 500 Mill.DM im Jahr."Mit solchen Verboten schlägt man den Bock und meint den Gärtner.Werbeverbote sind Einschnitte in die Wahlfreiheit des Bürgers.Am Ende steht der wirtschaftliche und gesellschaftliche Dirigismus", warnt der GWA-Präsident.Die drohenden Einschränkungen machen die ohnehin nicht problemlose Lage der Branche noch schwieriger.Die Umsatzrendite der Agenturen ist 1997 wieder leicht von 3 auf 2,9 Prozent gesunken.Die Aussichten auf eine Steigerung seien gering, meint Leonhard.Mittlerweile würden etliche Firmen Werbeaufträge hereinnehmen, die nur mit Verlust abzuwickeln seien.In jedem Fall werde es anstrengend genug, selbst die niedrigen Renditen zu halten.Allerdings ist von einer Pleitewelle in der Werbebranche noch nichts zu spüren.Der Konzentrationsprozeß geht aber weiter."Es gibt mehr Werbeagenturen als die Wirtschaft braucht", sagt der GWA-Präsident, zugleich Chef der Frankfurter Agentur Ogilvy & Mather.1997 betreuten die 155 im GWA organisierten Werbeagenturen ein Werbevolumen von 17,8 Mrd.DM, 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr.Der Umsatz lag bei 2,7 Mrd.DM.Das Jahr 1997 sei nicht schlecht gewesen, es habe aber auch schon bessere gegeben, betont Leonhard.Vor allem kleinere Agenturen mußten sich mit bescheidenen Wachstumsraten zufrieden geben.Immerhin entlastet die Werbebranche aber den Arbeitsmarkt.Die Beschäftigtenzahl kletterte 1997 um 3,1 Prozent auf über 12 000.Für 1998 erwarten die Agenturen einen Anstieg des Werbevolumens um rund fünf Prozent.Dabei rechnen sie mit lukrativen Aufträgen vor allem aus den Branchen Büro/EDV/Kommunikation.

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