Wirtschaft : Werbeflaute belastet Platzierung der Springer-Aktien

lip/hps/HB

Die von der Deutschen Bank geplante Platzierung des Aktienpakets von Leo Kirch am Axel Springer Verlag erfolgt in einem denkbar ungünstigen Marktumfeld. Der Grund: Der Werbemarkt steckt derzeit in der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Zudem belastet das schwache Börsenumfeld eine Zweitplatzierung des 40-prozentigen Verlagsanteils, der in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen soll, erheblich. Davon gehen Aktienanalysten und Werbemanager aus.

Vor allem Wertpapieranalysten sind skeptisch über den Erfolg einer raschen Aktienplatzierung. "Ein Aufschwung an den Anzeigenmärkten ist vor 2003 nicht in Sicht und das Börsenumfeld ist derzeit nicht günstig. Die Deutsche Bank dürfte es deshalb bei einer Verwertung der Anteile noch in diesem Jahr schwer haben, den Kredit an Leo Kirch voll abzulösen", erklärt Bernhard Tubeileh, Medien-Analyst bei Merrill Lynch. Der gleichen Meinung ist auch Oliver Rupprecht von der M.M. Warburg Bank: "Eine Aktienplatzierung im nächsten Jahr wäre für die Deutsche Bank finanziell vorteilhafter, wenn sich das Werbeklima gebessert hat". Denn auch die Vinkulierung ( siehe Lexikon ) der Springer-Anteile drückt auf den Verwertungserlös. Damit wird dem Vorstand und Aufsichtsrat einer Gesellschaft ein Mitspracherecht bei der Platzierung eingeräumt.

Nach Informationen des Handelblatt sollen die Springer-Anteile bereits in der zweiten Hälfte bei institutionellen und privaten Anlegern breit gestreut werden. Aus dem Verkauf des Anteils will die Bank ihren Kredit von 720 Millionen Euro an Leo Kirch ablösen. Sowohl die Deutsche Bank als auch der Springer Verlag wollten dies nicht kommentieren. "Wir führen weiterhin konstruktive Gespräche mit der Deutschen Bank über eine Verwertung des Aktienpaktes", erklärte eine Sprecherin des Springer Verlags am Mittwoch. Der Aktienkurs kletterte leicht um 2,5 Prozent auf 60,50 Euro.

Magere Ertragsaussichten bei Springer

Ob der Bankenprimus eine rasche Verwertung des Gesamtpaktes oder möglicherweise nur eines kleinen Teiles vornimmt, dürfte aber entscheidend von den weiteren Ertragsaussichten des größten Zeitungskonzerns Europas abhängen. Zwar wird in Verlagskreisen damit gerechnet, dass der Konzern im Jahr 2002 bereits wieder in die Gewinnzone zurückkehrt. Doch ein deutliches Plus werde es wohl kaum geben, heißt es in Branchenkreisen. Der Printriese hatte erstmals in seiner Firmengeschichte für 2001 einen Verlust von 198 Millionen Euro erwirtschaftet, während noch ein Jahr zuvor ein Gewinn von 98 Millionen Euro erzielt wurde. Der Verlag stellt am 28. Mai seine Bilanzzahlen vor.

Ob sich die Ertragslage des Zeitungsriesen aufhellt, ist aber vor allem von der weiteren Entwicklung der Anzeigenmärkte abhängig. "Für dieses Jahr gibt es keine Aufwärtsentwicklung. Möglicherweise hatten wir mit unserem Optimismus nicht Recht", sagte Henning von Vieregge, Geschäftsführer des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen (GWA), dem Handelsblatt. Letztes Jahr musste der Werbemarkt bereits ein Minus von vier Prozent verzeichnen.

Mit Prognosen für dieses und nächstes Jahr halten sich die Verbände derzeit zurück. Auch der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) bleibt vorsichtig. "Das Marktumfeld bleibt schwierig. Doch dynamische Unternehmen haben nach wie vor ihre Marktchancen", erklärte Sprecher Volker Nickel in Bonn. Dennoch sehen die Aussichten düster aus: Eine Studie der Hypo-Vereinsbank und der Mercer Management Consulting hatte kürzlich ein Wachstum für den deutschen Zeitungsmarkt bis 2006 von nur noch 2,2 Prozent auf 11 Milliarden Euro prognostiziert. Für die pessimistischen Aussichten machen die Medienexperten den Einbruch im Anzeigengeschäft, stagnierende Auflagen und zeitungsfremde Internetportale verantwortlich, die die Rubrikenanzeigen bedrohen.

Für Springer wäre es der zweite Börsengang. 1985 hatte der Verlag 49 Prozent seiner Anteile an den Markt gebracht. Dies gab dem Filmhändler Leo Kirch die Möglichkeit, nach und nach Anteile an dem Pressehaus aufzukaufen und trotz heftigen Widerstands durch den Verlag bis Mitte der 90-er Jahre rund 40 Prozent an dem Pressekonzern zusammenzubekommen. Sowohl die Commerzbank als auch die HypoVereinsbank hatten in den vergangenen Monaten vergeblich versucht, die Springer-Anteile von Kirch an ein Konsortium aus Banken und Investoren zu verkaufen. Grund war offenbar die Vinkulierung der Springer Aktien.

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