Wirtschaft : Werbemarkt: Die Verkäufer nehmen den Mund voll

Alfons Frese

Sie suchen einen Job? Und Sie müssen dummerweise noch zehn Jahre arbeiten? Dann ab in die Werbung, da beginnt gerade das goldene Jahrzehnt. Jedes Jahr soll künftig die Branche um mehr als vier Prozent wachsen. Die Werbung ist der Markt der Zukunft - das ist die Werbebotschaft einer Marktstudie im Auftrag eines TV-Senders. Nun wird naturgemäß nirgendwo sonst der Mund so voll genommen wie in der Medien- und Werbeszene, wenn deren Protagonisten als Verkäufer in eigener Sache auftreten. Aber eine gewisse Großmäuligkeit haben sich die Marketingstrategen auch verdient. Mit drei Ausnahmen - den Jahren 1968, 1970 und 1975 - ging es mit der Branche seit dem Krieg nur bergauf. Im Wirtschaftswunderland musste eben immer mehr verkauft werden, die Werbung entwickelte sich so wie der baden-württembergische Maschinenbau. Und jetzt soll es richtig los gehen. Vor allem im Internet. In diesem Jahr wird online erstmals mehr für Werbung ausgegeben als im Kino. Besonders viel ist das immer noch nicht. Doch das Internet und die Werbung im Netz kommen bald ganz groß raus, sagen die Verkäufer. Können wir das glauben nach den Erfahrungen der letzten zwölf Monate? Wir wollen an den Optimismus der Werber glauben, denn wenn es denen gut geht, gibt es viel zu verkaufen. Weil viele viel kaufen. Anders gesagt: Weil die Konjunktur brummt.

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