Werbeverbote : Erst ausgequalmt, bald ausgetrunken?

Die Wirtschaft befürchtet ein Werbeverbot für Alkohol. Agenturen erzielten mit Reklame für Spirituosen 557 Millionen Euro im letzen Jahr.

Maren Peters

Berlin - Ein Segelschiff, eine Trauminsel, schöne Menschen, eiskaltes Bier. In Deutschland ist es kein Problem, Werbung wie diese auch im Vorabendprogramm zu zeigen – zu einer Zeit, wenn auch Kinder und Jugendliche noch vor der Glotze sitzen. Nicht mehr lange, befürchtet die Werbewirtschaft, die nach dem Tabakwerbeverbot nun auch die Alkoholwerbung auf der Streichliste sieht – und damit ein millionenschweres Geschäft in Gefahr.

Der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) beruft sich auf das „Strategiepapier für ein nationales Aktionsprogramm zur Alkoholprävention“ des Drogen- und Suchtrates der Bundesregierung. In dem Papier mit Datum vom 8. Februar, das der ZAW am Dienstag in Umlauf brachte, wird unter anderem vorgeschlagen, Alkoholwerbung durch Werbeverbote zu regulieren und das Sponsoring einzuschränken. Auch die Erhöhung der Alkoholsteuern und Verkaufsverbote an Tankstellen und Autobahnraststätten wird empfohlen. Damit solle die Bevölkerung für einen „verantwortungsbewussten Alkoholkonsum“ gewonnen werden, schließlich sei Alkohol nach Tabakkonsum und Bluthochdruck das dritthöchste Risiko für Krankheit und vorzeitigen Tod.

Die Werbewirtschaft befürchtet das Schlimmste. „Dabei gibt es gar keinen nachweislichen Zusammenhang zwischen Werbung und Alkoholkonsum“, behauptet Manfred Parteina, der Hauptgeschäftsführer des ZAW. Statt „untaugliche Mittel“ einzusetzen, sollten Bund und Ländern lieber in die Ursachen für übermäßigen Alkoholkonsum investieren und Präventionsstrategien entwickeln.

Die Werber, die seit 2007 schon nicht mehr für Tabak werben dürfen, befürchten, dass ihnen ein weiteres Millionengeschäft wegbricht. Im vergangenen Jahr bescherte die Werbung mit Bier, Schnaps und Wein ihnen 557 Millionen Euro Umsatz.

In der Bundesregierung versteht man die Aufregung dagegen nicht. Das Strategiepapier sei nicht mehr aktuell, hieß es am Dienstag aus der Geschäftsstelle der Drogenbeauftragten Sabine Bätzing (SPD). Es handele sich ohnehin nur um ein internes Arbeitspapier, das aus „eher wissenschaftlichem Blickwinkel“ für die Drogenbeauftragte erarbeitet worden sei. „Das heißt nicht, dass es aus politischer Sicht realistisch wäre.“ Bätzing selbst war persönlich nicht zu erreichen.

Weder seien Steuererhöhungen für Alkohol geplant, noch gesetzlich verordnete Werbeverbote. Die Regierung setzte vielmehr auf Selbstregulierungen der Industrie, damit Kinder und Jugendliche nicht Zielgruppe von Alkoholwerbung würden. Klarheit über die Inhalte soll es erst im Herbst geben. Dann will Bätzing ihr „nationales Aktionsprogramm“ offiziell vorstellen.

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