Wirtschaft : Werbung in eigener Sache

Henrik Mortsiefer

Berlin - Werbeagenturen drehen gerne mal ein großes Rad. Das liegt in der Natur ihres Geschäfts. Manche Agenturen fühlen sich dabei aber zu Höherem berufen – wie Scholz&Friends. Die Berliner Agentur macht Werbung für große Marken und für Deutschland, den Standort der Fußball-WM. Zum höchsten der Gefühle zählt Scholz&Friends aber Reklame in eigener Sache. Die Vorstände Thomas Heilmann und Sebastian Turner luden am Montagabend deshalb Gäste ins Atrium des Berliner Landgerichts, um ihrer Agentur ein lebendes Denkmal zu setzen: Lore Schumann. Die 68-jährige Rentnerin aus Dresden ist Mutter von Olaf Schumann, der vor 15 Jahren zusammen mit Heilmann und Turner Scholz&Friends gründete. In wilden Wendezeiten kamen sie bei den Schumanns unter und ließen sich an Lores Küchentisch deren Lebensweisheiten gefallen: „Lore’s Law“. Die zu zehn Paragrafen destillierten Sinnsprüche dienten als interne Firmen-Bibel. Nun erscheint „Lore’s Law“ als „Gesetzbuch des gesunden Menschenverstandes“ (Verlag Redline Wirtschaft). Kommentiert von Christoph Keese, Chefredakteur der „Welt am Sonntag“, und Kurt Biedenkopf, Ex-Ministerpräsident, fand das Taschenbuch am Montag eine prominente Rezensentin: Justizministerin Brigitte Zypries.

Wohl irritiert vom großen Aufwand, den Scholz&Friends betrieben hatte, ließ sich die Ministerin zu einigen Spitzen hinreißen. Lores zehntes Gebot („Wenn man etwas bekommt, sagt man danke“) müsse für alle Unternehmen gelten, die mit Gewinnen „produktiv umgehen“ sollten, empfahl die Ministerin. Einen Hinweis auf die Deutsche Bank sparte sie sich. „Für den Erfolg eines Geschäfts sollte man Verantwortung übernehmen“, fügte sie hinzu. Und zitierte Henry Ford: Geld diene zur „Verbesserung des Lebens“. Was aber, wenn man keins hat? Dazu Lore’s Law, Paragraf 9: „Wenn man kein Geld hat, kann man nichts Teures kaufen, aber wünschen.“

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