Werbung und Wirklichkeit : Autobauer tricksen immer mehr beim Verbrauch

Der tatsächliche Spritbedarf liegt bei Neuwagen im Schnitt rund ein Drittel höher als die offiziellen Angaben. Besonders groß ist die Abweichung bei Mercedes.

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Durstig. Neuwagen verbrauchen deutlich mehr als die Hersteller angeben.
Durstig. Neuwagen verbrauchen deutlich mehr als die Hersteller angeben.Foto: dpa

Es klingt beeindruckend: Anfang des Jahres wurden nach Angaben des Automobilverbandes VDA 1600 Neuwagen in Deutschland angeboten, die weniger als 5,5 Liter Benzin – das entspricht 130 Gramm CO2 pro Kilometer – verbrauchen. Mehr als 50 Modelle liegen laut VDA sogar unterhalb von vier Litern (95 Gramm CO2). Inzwischen dürfte die Zahl der Fahrzeuge weiter gewachsen sein. Gewachsen sind aber auch die Zweifel daran, ob die Verbrauchsangaben der Hersteller realistisch sind.

Nach einer aktuellen Studie der Organisation Transport & Environment (T & E), die am Donnerstag veröffentlicht wurde, klafft zwischen den Daten und der Wirklichkeit eine Lücke, die immer größer wird. Aktuell liege der tatsächliche Verbrauch im Schnitt um 31 Prozent über den offiziellen Angaben, teilte T&E mit. Bis zum Jahr 2020 könnten die Abweichungen sogar auf mehr als 50 Prozent steigen. 2001 betrugen sie nur rund acht Prozent. „Unrühmlicher Spitzentrickser“ im Jahr 2013 sei Mercedes gewesen, erklärte der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD). Dessen Neuwagen verbrauchten im Schnitt fast 40 Prozent mehr als offiziell angegeben. Aber auch BMW und Ford lägen mit etwa 33 Prozent über dem Durchschnitt.

Verbrauchseinsparungen sind "heiße Luft"

„Die Politik muss den Manipulationen durch die Hersteller endlich einen Riegel vorschieben“, forderte Michael Müller-Görnert, VCD-Referent für Verkehrspolitik. „Es kann nicht sein, dass Autos die geltenden CO2-Grenzwerte überwiegend nur im Labor einhalten und nicht auf der Straße.“ Bereits heute sei rund die Hälfte der seit 2008 proklamierten Verbrauchseinsparung nicht mehr als „heiße Luft“.

Die Autoindustrie argumentiert, im Labor ließen sich nicht alle Bedingungen im realen Straßenverkehr – wie Berg- und Kurvenfahrten, individuelle Fahrweisen und Temperaturschwankungen – testen. Außerdem schreibe der Gesetzgeber vor, dass sich die Verbrauchsangaben verschiedener Antriebe und Hersteller vergleichen lassen, deshalb würden normierte Geschwindigkeitsprofile erstellt. Dass dabei im Rahmen des gesetzlich Möglichen getrickst wird, ist bekannt.

Auf EU-Ebene ist die Einführung eines neuen Testverfahrens bis 2017 geplant, das realistischere Werte für Verbrauch und Schadstoffausstoß verspricht. Aktuell ermitteln die Autobauer nach dem standardisierten NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus). Das neue WLTP-Verfahren (Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure) soll weltweit vergleichbare Daten liefern.

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