Wirtschaft : Werkstätten wechseln mangelhafte Dieselfilter Gericht: Regierung muss Daten offenlegen

Daniel Rhee-Piening

Berlin – Zigtausende Besitzer von Dieselautos, die nachträglich einen Partikelfilter in ihr Fahrzeug haben einbauen lassen, müssen sich betrogen fühlen. Die eingebauten Filter der Firmen GAT, Bosal und Tenneco/Walker erfüllen die in sie gesetzten Erwartungen nicht, sie reinigen die Abgase des Autos bei Weitem nicht so gründlich wie versprochen. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat deshalb die Betriebserlaubnisse für mehrere Filtersysteme der Firmen zurückgezogen.

Eingebaute Filteranlagen behalten zwar die Betriebserlaubnis – damit bleibt auch der Steuerbonus erhalten und die Autos dürfen in die Umweltzone. Allerdings gegen Beobachter davon aus, dass dies nur für eine Schonfrist gilt. Zudem: Wer gereinigte Abgase haben will, muss erneut nachrüsten. Betroffen sind nach Schätzungen des Kraftfahrt-Bundesamtes bundesweit mindestens 40 000 Autofahrer, die Deutsche Umwelthilfe (DUH) schätzt die Zahl sogar auf 60 000. In Berlin könnten schlimmstenfalls bis zu 9500 Autos betroffen sein.

Das Kraftfahrzeug-Handwerk wird die eingebauten mangelhaften Filter für die Autobesitzer kostenlos aus- und neue einbauen. Immerhin geht es hier um Kosten von bis zu 1000 Euro pro Fall. „Die Werkstatt, die den nicht ordnungsgemäß funktionierenden Filter eingebaut hat, muss die Kosten für die Nachbesserung tragen. Sie hat deswegen einen Rückgriffsanspruch gegen ihren Lieferanten“, sagt Axel Koblitz, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes .

Für den betroffenen Autofahrer bleibt aber immer noch der Ärger, ein neuer Termin in der Werkstatt und zumindest der zeitweise erneute Verzicht auf den fahrbaren Untersatz. Völlig unklar bleibt zudem bisher, wer für eventuelle Schäden am Motor aufkommt, denn auch diese werden inzwischen nicht mehr in jedem Falle ausgeschlossen. Zudem: ZDK-Hauptgeschäftsführer Koblitz räumt ein, dass noch nicht für alle Fahrzeuge passende Ersatzfilter verfügbar seien, und bittet die Kunden in solchen Fällen um Geduld. „Die schlechteste Lösung wäre die Rückrüstung des Fahrzeugs in den früheren Zustand.“ Sollte es Schwierigkeiten mit der Werkstatt geben, können sich Betroffene an die Deutsche Umwelthilfe wenden.

Möglicherweise wäre vieles vermeidbar gewesen. Die Umwelthilfe wirft dem Bundesumweltamt und damit der Bundesregierung vor, mehr als ein Jahr lang Untersuchungsergebnisse über minderwirksame Partikelfilter unter Verschluss gehalten zu haben. Das Amt berief sich auf methodische Fehler. Eine Untätigkeitsklage gegen die Bundesregierung hat die DUH am Freitag vor dem Verwaltungsgericht Dessau gewonnen. „Die DUH erwartet nun weitere Erkenntnisse darüber, welche Informationen der Regierung bereits seit über einem Jahr vorliegen und warum eine frühzeitige amtliche Überprüfung der auffälligen Systeme ebenso unterblieb wie die notwendige Information der Bevölkerung“, sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, dem Tagesspiegel. Daniel Rhee-Piening

www.kba.de

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www.kfzgewerbe.de

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