Wirtschaft : Werkstatt-Kette ATU will Börsengang vorziehen

Aktien sollen bereits im Juni verkauft werden – vor der Postbank

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Weiden/Frankfurt (Main) (dpa). Die WerkstattKette Auto-Teile Unger (ATU) will bereits Mitte Juni an die Börse gehen und könnte damit die Postbank überholen. Nach derzeitiger Planung starte die Angebotsfrist Ende Mai oder Anfang Juni, teilte das Unternehmen am Freitag in Weiden in der Oberpfalz mit. Ein substanzieller Anteil der Aktien soll aus einer Kapitalerhöhung stammen, sagte ATU-Chef Werner Aichinger. Die Postbank will am 21. Juni an die Börse gehen.

Nach der langen Enthaltsamkeit bei Börsengängen in Deutschland liefern sich nun gleich mehrere Unternehmen ein Wettrennen um die erste Platzierung seit anderthalb Jahren. Experten warnen aber davor, noch einmal die Fehler zu begehen, die die Börsengänge der Halbleiterunternehmen Siltronic und X-Fab im März platzen ließen. „Sollte auch bei den nun angepeilten Börsengängen etwas schief gehen, wird weiteres Anleger- und Investorenvertrauen verspielt, und das kann der Finanzplatz Deutschland überhaupt nicht gebrauchen“, sagt Andreas Hürkamp, Aktienstratege bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. Neben Postbank und ATU planen auch die Mitteldeutsche Fahrradwerke AG (Mifa) und der Kassensystemhersteller Wincor Nixdorf für Mitte Mai den Sprung aufs Börsenparkett.

Die Werkstatt-Kette Auto-Teile Unger will ihre Aktien in einem öffentlichen Angebot an Kleinanleger verkaufen, teilte das Unternehmen mit. Außerhalb Deutschlands sei eine Privatplatzierung bei institutionellen Anlegern geplant. Zunächst soll die Aktie an der Frankfurter Börse im „Prime Standard“ notiert werden. Mittelfristig sei die Aufnahme in den M-Dax geplant.„Wir sehen da gute Chancen, weil wir einen hohen Streubesitz haben werden“, sagte ein Sprecher. Möglicherweise sei dieses Ziel bereits im kommenden Jahr zu erreichen.

Über den Umfang des Emissionsvolumens machte der Sprecher keine Angaben. Medienberichten zufolge könnte es bei rund einer Milliarde Euro liegen. Bei dem Postbank-Börsengang wird mit einem Volumen von bis zu drei Milliarden Euro gerechnet. ATU will nach eigenen Angaben mit dem Emissionserlös Gesellschafterdarlehen in Höhe von rund 275 Millionen Euro ablösen. Zudem sollen die Bankkredite von derzeit 491 Millionen Euro reduziert werden. Die britische Beteiligungsgesellschaft Doughty Hanson will nach Auskunft des Sprechers ihren Anteil von derzeit 72 Prozent zum größten Teil oder ganz abgeben. Auch Firmengründer Peter Unger, der zur Zeit noch 19 Prozent an dem Unternehmen hält, wolle seinen Anteil reduzieren.

ATU hatte sich seit der Gründung 1985 zur größten freien Werkstattkette Deutschlands entwickelt. Derzeit hat das Unternehmen 461 Filialen und will bis Jahresende weitere 26 Werkstätten in Deutschland eröffnen. 2003 erzielte ATU einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 125,4 Millionen Euro bei einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro.

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