Werksverkäufe : IG Metall droht Airbus mit Streiks

Im Streit um die geplanten Verkäufe der deutschen Werke droht dem Flugzeugbauer Airbus ein harter Arbeitskampf bis hin zu Streiks. Die französische Finanzaufsicht soll ihre Ermittlungen gegen EADS wegen des Verdachts auf Insiderhandel ausgeweitet haben.

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Solidaritätszug für das Airbus-Werk in Varel im September: Das Werk mit 1300 Beschäftigten soll verkauft werden. -Foto: ddp

Hamburg/Paris"Wenn sich Airbus verweigert, werden wir Druck machen, mit allen möglichen Folgen fürs Unternehmen", sagte der Sprecher der IG Metall Küste, Daniel Friedrich, dem "Focus". Die Airbus-Beschäftigten hätten bewiesen, dass "sie das Instrument der Arbeitsniederlegung beherrschen". Hintergrund des Konfliktes sind die geplanten Verkäufe der Fabriken in Augsburg, Nordenham und Varel an einen Investor. Mögliche Streiks könnten den Konzern an seiner empfindlichsten Stelle treffen, etwa bei dem bereits mehrfach korrigierten Zeitplan für die Auslieferung des Riesenjets A 380.

Der Airbus-Mutterkonzern EADS will im Zusammenhang mit seinem Sanierungsprogramm "Power 8" in Europa insgesamt sechs Werke abstoßen. Nach dem Rückzug des Heidenheimer Anlagenbauers Voith bieten für die vier deutschen Airbus-Werke nur noch der amerikanische Boeing-Zulieferer Spirit und die MT Aerospace, die zur Bremer OHB gehört. EADS will Varel, Nordenham und Laupheim sowie das EADS-Werk Augsburg abstoßen. Für die französischen und britischen Werke bieten GKN (Großbritannien) und Latécoère (Frankreich). Von den Werksverkäufen erhofft sich der Konzern Milliardeneinnahmen.

"Wir prüfen, Tarifforderungen zu stellen, um die Folgen für die Mitarbeiter sozial abzufedern. Um diese Forderungen durchzusetzen, werden wir gegebenenfalls unsere Mitglieder mobilisieren", sagte Friedrich der Zeitung "Euro am Sonntag".

Betriebsrat fordert Kündigungsschutz

Gesamtbetriebsratschef Rüdiger Lütjen hatte der Konzernführung vor kurzem seine Bedingungen für eine Veräußerung der Werke genannt: Kündigungsschutz bis zum Jahre 2015, keine Verlagerung der Produktion in den günstigeren Dollarraum und die Fortführung der Tarifverträge, also keine Lohneinbußen für die Beschäftigten in den betroffenen Werken, berichtet "Focus". Laut Lütjen kam es dabei allerdings zu keiner Einigung. In der vergangenen Woche habe er die IG Metall über das Scheitern der Gespräche informiert.

Die Gewerkschaft will sich nun in Kürze an die Airbus-Führung wenden: "Unsere tarifpolitischen Forderungen decken sich mit denen des Betriebsrats", erklärte IG-Metall-Sprecher Friedrich im "Focus". Betriebsratschef Lütjen sagte: "Den Blödsinn, den die Manager verzapft haben, wird die Belegschaft bestimmt nicht bezahlen."

EADS: "Wir haben nichts zu verbergen"

Die französische Finanzaufsicht AFM hat nach Medienberichten ihre Ermittlungen zu einem möglichen Insiderhandel bei EADS ausgeweitet. AFM werfe dem Airbus-Mutterkonzern nun auch vor, zwischen Ende 2005 und Anfang 2006 "irreführende Informationen" an die Finanzmärkte gegeben zu haben, berichtete die französische Zeitung "Le Monde" unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise. Die Konzernspitze habe die Öffentlichkeit zu spät über die Lieferprobleme bei dem neuen Großraumflugzeug A380 informiert. Nun sollen laut dem Bericht einige Mitglieder aus der Führungsetage des deutsch-französischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns erneut befragt werden, unter ihnen auch der frühere EADS-Ko-Chef Noël Forgeard.

Die Finanzaufsicht wollte diese Informationen nicht kommentieren. EADS wies die neuen Vorwürfe zurück. "Wir haben aus unserer Sicht stets die Märkte zeitgerecht informiert und haben uns da nichts vorzuwerfen", sagte ein Unternehmenssprecher. EADS habe immer vollständig mit der AMF kooperiert und ihr sofort alle Informationen geliefert, die sie verlangt habe. "Wir haben nichts zu verbergen", sagte der Sprecher weiter. Auch habe das Unternehmen von der AMF bisher keinerlei Informationen über Anschuldigungen oder Ergebnisse der Untersuchung erhalten.

Wurden Informationen zurückgehalten?

Die EADS-Tochterfirma Airbus hatte Mitte Juli 2006 Lieferprobleme mit dem A380 bekanntgegeben, was die Aktie zum Absturz brachte. Nach Ansicht der Finanzaufsichtsbehörde wusste sie aber bereits im März von den Verzögerungen, äußerte sich zu diesem Zeitpunkt dennoch zuversichtlich gegenüber den Anlegern, wie "Le Monde" berichtete. Unternehmen müssten "sobald wie möglich" Informationen veröffentlichen, die einen bedeutenden Einfluss auf auf den Aktienkurs haben, hatte AMF-Chef Michel Prada mehrfach erklärt.

Die AFM und die französische Justiz ermitteln bereits wegen Insiderhandels gegen EADS. Manager und Großaktionäre sollen vor Bekanntgabe der Lieferverzögerungen beim Airbus A380 mit Insiderwissen "massiv" EADS-Aktien verkauft haben. (mit dpa/AFP)

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