Wirtschaft : West-LB: Der neue Mann der Landesbank verkündet Grausamkeiten

jz

Der neue Chef der West-LB, Jürgen Sengera, verkündet die Grausamkeiten gleich am ersten Tag. "Wir müssen unsere Eigenkapitalrentabilität auf 18 Prozent erhöhen und deshalb erhebliche Produktivitätssteigerungen erzielen", sagte Sengera bei der Gewährträgerversammlung am Samstag in Düsseldorf. Dabei verschwieg er nicht, dass davon mit insgesamt 1500 Beschäftigten mehr als jeder zehnte Mitarbeiter betroffen sein wird.

Natürlich wussten die Eigentümer - also das Land, die Sparkassen- und Landschaftsverbände in Nordrhein-Westfalen -, dass die Bank im Vergleich zur privaten Konkurrenz ungünstigere Kostenstrukturen ausweist, aber das Ausmaß ist ihnen selten so deutlich gemacht worden.Sie wissen aber auch, dass ohne Korrekturen die Bank mittelfristig in erhebliche Schwierigkeiten geraten würde, zumal sie für ihre Refinanzierung durch das Ende der Staatsgarantien in vier Jahren höhere Kosten kalkulieren muss. Um dem entgegen zu wirken will Sengera sich radikal von allen Geschäftsbereichen trennen, die nicht unbedingt zu den Aufgaben der Landesbank gehören und den verbleibenden Rest in ein Kostenkorsett zwingen. So dürfteetwa das Kundengeschäft in Luxemburg wird so bald zum Verkauf stehen; insgesamt dürften an die 500 bisher im Konzern Beschäftigte dann einen neuen Arbeitgeber erhalten. Andere Bereiche, wie etwa die EDV, werden ihre Leistungskennziffern erheblich verbessern müssen - hier werden knapp 1000 Stellen endgültig gestrichen.

Es war klar, dass sich die Bank mit einer Bilanzsumme von mehr als 800 Milliarden Mark diesem Thema stellen muss. Dies gilt umso mehr, seit die Länder kürzlich in Brüssel gescheitert sind und die europäische Kommission die Deutschen zwingt, künftig auf alle staatlichen Garantien für die Landesbanken zu verzichten. Ohne verschärftes Kostenbewusstsein wäre man demnächst nicht mehr wettbewerbsfähig. "Es sind deshalb Rating-stützende Maßnahmen nötig", erklärte NRW-Finanzminister Peer Steinbrück, der für das Land im Verwaltungsrat sitzt.

Allein diese Aufgabe dürfte nicht ganz einfach werden, aber es gibt darüber hinaus andere Schlachtfelder. Im Kreise der Eigentümer gibt es noch erhebliche Klärungsbedarf über die künftige Struktur der Bank. Sowohl das Land wie CDU Oppositionsführer Jürgen Rüttgers hatten sich auf ein Mutter-Tochter-Modell festegelegt, aber in beiden Sparkassenverbänden gibt es noch erhebliche Widerstände gegen diese Konstruktion; zumal große Sparkassen in Köln oder Düsseldorf fürchten, dass ihnen die West LB Tochter in Form einer Aktiengesellschaft noch mehr Konkurrenz beschert. Die Landesregierung will sich davon jedoch nicht beeindrucken lassen: Sie beabsichtigt, ihren Gesetzentwurf mit den neuen Regeln noch 2001 zu verabschieden. Jürgen Sengera unterstützt diesen Kurs, zumal ihm klar ist, dass er seinen neunköpfigen Vorstand nur dann neu ordnen kann, wenn die Struktur der Bank klar ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben