Wirtschaft : Westdeutsche Unternehmen wieder auf festerem Boden

FRANKFURT (MAIN) (ro/AFP).Die westdeutschen Unternehmen haben ihre Gewinne 1997 deutlich steigern können und stehen wieder auf einem festen Fundament.Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesbank nach der Analyse von rund 13 800 Jahresabschlüssen.

"Nach den Gewinneinbußen im Jahr zuvor bedeutete dies einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Normalisierung der Rentabilitätsverhältnisse", schreibt die Bundesbank im Monatsbericht Oktober.Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe hellte sich die Ertragslage 1997 deutlich auf, während die Baubranche erneut eine Verschlechterung hinnehmen mußte.Die Verbesserung der Lage sei auch vor dem Hintergrund "großer Rationalisierunganstrengungen" zu sehen, hieß es.Die Zunahme bei den Investitionen lasse aber "noch vieles an Schwung und Breitenwirkung vermissen".

Die höheren Gewinne haben allerdings nach Einschätzung der Bundesbank die Investitionen noch nicht so stark beflügelt, daß dies die Lage auf dem Arbeitsmarkt schon 1997 stabilisiert hätte.Erst im Laufe dieses Jahres hätten die Impulse für die Beschäftigung an Gewicht gewonnen, weil die Ertragsverbesserung der Unternehmen angehalten hätte."Insgesamt blieb die Neigung, in den heimischen Kapitalstock zu investieren, deutlich hinter dem zurück, was in früheren Aufschwungphasen zu beobachten war", heißt es in dem Bundesbank-Bericht.

Die Bundesbank sieht viele westdeutsche Unternehmen mit Blick auf Gewinne und Rendite jetzt wieder auf dem Niveau vom Beginn der neunziger Jahre."Damit dürfte auch die Widerstandskraft vieler Unternehmen gewachsen sein - ein bei ungünstigen weltwirtschaftlichen Bedingungen kaum zu unterschätzendes Aktivum." Bei den Investitionen allerdings sei das Niveau vom Beginn dieses Jahrzehnts noch nicht wieder erreicht.Dies hängt nach Ansicht der Bundesbank nicht unbedingt damit zusammen, daß sich die Standortbedingungen hierzulande verschlechtert haben.Eher gebe es heute ein viel größeres weltweites Angebot an guten Standorten.Deshalb sei es durchaus als Erfolg zu werten, wenn Unternehmen ihre Fabriken in Deutschland auf technischem Spitzenniveau hielten, weil damit Arbeitsplätze mittel- und langfristig gesichert würden.

Vor allem der Export hat die Geschäfte vieler Firmen 1997 beflügelt.Die Auslandsumsätze kletterten um rund 12,5 Prozent.Binnenwirtschaftlich orientierte Betriebe mußten sich mit bescheidenen Fortschritten zufrieden geben.In der westdeutschen Bauwirtschaft hielt die Krise auch 1997 an, weil weder der öffentliche Bau noch der private Wohnungsbau auf Touren kamen.Auch der Handel meldete nur Stagnation.

Den stärksten Gewinnzuwachs gab es 1997 bei Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes mit einem Plus von mehr als 40 Prozent."Damit übertrafen sie den bisherigen Höchststand von 1990 um 2,5 Prozent sowie das besonders niedrige Ergebnis von 1993 um knapp das Zweifache." Noch höhere Zuwachsraten verbuchten zum Teil Maschinenbauhersteller, Autobauer und Chemieunternehmen.Insgesamt kletterte der Umsatz der von der Bundesbank untersuchten 13 800 Firmen 1997 um 3,5 Prozent auf 5,37 Billionen DM.Der Jahresüberschuß schoß sogar um rund ein Drittel auf 96,5 Milliarden DM in die Höhe, beim Gewinn vor Steuern gab es ein Plus von knapp 30 Prozent auf 105,5 Milliarden DM.Die Steuerlast der Firmen habe sich 1997 etwas entschärft.Beim Blick auf die Rendite stehen die westdeutschen Unternehmen allerdings immer noch nicht so gut da, wie viele ihrer Konkurrenten im Ausland.Die Bruttoumsatzrendite kletterte 1997 zwar von 2,5 auf drei Prozent.Damit lag sie aber immer noch einen halben Prozentpunkt niedriger als in den Jahren zwischen 1987 und 1991.

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