Wirtschaft : WestLB: Jürgen Sengera soll neuer Chef werden

cd

Das Geheimnis ist gelüftet. Neuer Chef der Westdeutschen Landesbank (WestLB) wird Jürgen Sengera, der seit 1984 dem Vorstand angehört. Darauf haben sich am Sonntag die Mitglieder der Findungskommission einstimmig verständigt, teilte die Landesbank mit. Das letzte Wort hat am 16. März der 27-köpfige Verwaltungsrat der Landesbank. Darin haben die Arbeitnehmer neun Stimmen, das Land NRW acht, die beiden Sparkassenverbände gemeinsam sechs und die zwei Landschaftsverbände je zwei. In dem Gremium reicht Sengera eine einfache Stimmenmehrheit.

Der 57-jährige Manager bringe das notwendige Banken-Know-how mit, habe aber auch tiefes Verständnis für die Sparkassenorganisation, hieß es aus Sparkassenkreisen. Sengera leitet bisher die unter dem Label "WestLB Panmure" zusammengefassten Investmentaktivitäten der Düsseldorfer Landesbank, bei der er zudem maßgeblich das Geschäft mit Projektfinanzierungen vorangebracht hat. Vor seinem Wechsel nach Düsseldorf war er Generalbevollmächtigter bei der Norddeutschen Landesbank. Seine berufliche Karriere hatte er in der Volkswirtschaftlichen Abteilung der WestLB gestartet.

Zuletzt hatte als Favorit für die Nachfolge von Friedel Neuber - der Ende August als WestLB-Vorstandschef ausscheidet - der stellvertretender Vorstandsvorsitzende der Landesbank Rheinland-Pfalz, Friedhelm Plogmann gegolten. Seine Nominierung scheiterte aber am Widerstand der Arbeitnehmervertreter. Gegen die Vertreter von Land und Arbeitnehmern können die anderen Anteilseigner keinen Kandidaten durchsetzen. Das Kandidatenkarussell hatte sich seit letzten Sommer gedreht. Ursprünglich wollten die Eigentümer der Bank bis Ende 2000 einen Neuber-Nachfolger präsentieren. Die Auswahlgespräche wurden von Beginn an belastet durch den ungelösten Beihilfestreit mit der EU-Kommission um Milliardenbeihilfen und einige Affären um die größte öffentlich-rechtliche Bank wie die Flugaffäre oder Ermittlungen gegen Bankvorständen wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Gegen Sengera sind bisher keine Vorwürfe in diesen Fällen erhoben worden.

Gestärkt sehen kann sich Sengera durch die Ergebnisse des vergangenen Jahres in seinem Geschäftsbereich: der Provisionsüberschuss stieg nach vorläufigen Zahlen um 53,9 Prozent auf 1,07 Milliarden Euro. Noch deutlicher stieg das Handelsergebnis, es vervierfachte sich auf 533,1 Millionen Euro. Damit reduzierte die WestLB deutlich ihre traditionelle Abhängigkeit vom Kreditgeschäft. Druck auf das Ergebnis ergab sich auch aus steigenden Verwaltungsaufwendungen: sie kletterten um 24,6 Prozent auf 3,13 Milliarden Euro. Ursachen seien vor allem anhaltend hohe IT-Investitionen sowie die Neuausrichtung des Wertpapierhauses WPS, teilte die WestLB mit. Insgesamt steigerte die WestLB bei einer leicht um 0,3 Prozent auf 393,17 Milliarden Euro gesunkenen Bilanzsumme ihr Betriebsergebnis nach Risikovorsorge und Bewertung um 6,7 Prozent auf 902,7 Millionen Euro. Das bewertet WestLB-Chef, Friedel Neuber, als "zufriedenstellend".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben