Wirtschaft : WestLB sprüht vor Zuversicht – trotz roter Zahlen

Übernahme der Berliner Weberbank wird ernsthaft geprüft / Vorstandschef Fischer: „Das Tal ist durchschritten“

M. Döbler,D. Rhee-Piening

Berlin – Die Westdeutsche Landesbank sieht nach der Rückzahlung von 1,4 Milliarden Euro an das Land Nordrhein-Westfalen zuversichtlich in die Zukunft und hat bei ihrer Neuausrichtung ein Auge auf die Weberbank in Berlin geworfen. „Die WestLB prüft das Thema,“ erfuhr der Tagesspiegel am Montag aus Bankenkreisen.

Als letzte von sechs deutschen Landesbanken hat die WestLB Beihilfen zurückgezahlt, die die EU als unrechtmäßig moniert hatte. Das Institut ist damit im Geschäftsjahr 2004 zwar wieder tief in die roten Zahlen gerutscht. Im operativen Geschäft konnte die Bank jedoch schwarze Zahlen schreiben.

„Das Tal ist durchschritten und die Bank wieder stabil ausgerichtet“, erklärte der seit rund einem Jahr amtierende Vorstandsvorsitzende Thomas Fischer am Montag in Düsseldorf.

Den Verlust bezifferte er auf 920 Millionen. Ausgeglichen wurde das Ergebnis durch die Auflösung von Kapitalrücklagen und stillen Reserven. Operativ erwirtschaftete die WestLB 696 Millionen Euro (Vorjahr: minus 1,9 Milliarden Euro).

Die Riesenverluste in früheren Jahren waren durch riskante Auslandsengagements unter anderem bei dem britischen TV-Verleiher Boxclever ausgelöst worden. Diese Beteiligung hat die WestLB vor wenigen Wochen verkauft. Auch die Führung der Bank ist komplett neu.

Die Bank will sich künftig stärker auf Geschäfte mit den Sparkassen, mittelständischen Firmen und vermögenden Privatanlegern konzentrieren. Die WestLB sei jetzt weitgehend frei von Altlasten und könne nach der bevorstehenden Kapitalerhöhung den Ausbau ihres Kerngeschäfts gestärkt angehen.

In diese Strategie würde die Übernahme der Weberbank gut passen, da die Berliner Privatbank vor allem auf vermögende Privatkunden zielt. Fischer wollte sich dazu nicht äußern.

Die Neuausrichtung sei dringend notwendig, sagte der Vorstandschef. Zum 17. Juli 2005 entfällt die Staatshaftung für die Bankgeschäfte, und die WestLB muss ohne diese „geliehene Bonität“ ihre Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis stellen. Fischer erinnerte die Eigentümer – das Land und die Sparkassen – daran, dass die Bank eine angemessene Eigenkapitalausstattung brauche. Das Land will der WestLB das Kapital möglichst bald in Höhe der Rückzahlung überweisen. Der Zeitpunkt der Transaktion – sie ist eine zulässige Kapitalerhöhung – ist offen.

Andere Landesbanken haben das Problem ähnlich gelöst. So musste auch die zur Bankgesellschaft Berlin gehörende Landesbank Berlin rund 1,1 Milliarden Euro an das Land Berlin zurückzahlen. Das Land stellte das Kapital umgehend wieder zur Verfügung. Dies war in einer „Neutralitätsvereinbarung“ beschlossen und von der EU im Rahmen der Sanierung der Bankgesellschaft genehmigt worden. Die HSH Nordbank, die aus den Landesbanken in Kiel und Hamburg hervorgegangen ist, hat bereits zum Jahreswechsel rund 750 Millionen Euro zurückgezahlt. Bis auf 200 Millionen Euro soll sie alles zurückerhalten, über Details wird noch verhandelt. Die Bayerische Landesbank musste 620 Millionen Euro zahlen und erhielt eine Kapitalerhöhung in gleicher Höhe.

Wichtig ist die Kapitalausstattung für die Landesbanken, weil sie mit dem Wegfall staatlicher Garantien ab dem Sommer nicht mehr billiger als andere Geld leihen können, um es weiter zu verleihen. Sie müssen sich von Rating-Agenturen bewerten lassen und entsprechende Zinsen für das geliehene Geld bezahlen.

Doch bisher fielen die neuen Ratings für die Institute überraschend positiv aus. Moody’s wird zum Quartalsende verkünden, dass alle Landesbanken mindestens ein A1- Rating erhalten werden. Das höchste Rating ist ein AAA, zuletzt erhielten die Institute Aa3. Bei Standard &Poor’s werden mit Ausnahme der Sachsen (BBB+) alle Landesbanken zwischen A+ und A- bewertet – außer der Landesbank Berlin, die ohne Rating bleibt.

Thomas Fischer, der auch Präsident der Bundesverbandes öffentlicher Banken ist, hatte dazu Ende des vergangenen Jahres erklärt, er sehe die öffentlichen Banken für den verschärften Wettbewerb mit den Privatbanken gut gerüstet.

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