Wirtschaft : WestLB sucht Partner

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London (and/HB). Die Westdeutsche Landesbank (WestLB) will den finanziell angeschlagenen britischen Schienennetzbetreiber Railtrack gemeinsam mit anderen Banken sowie den bislang 28 Zuganbietern übernehmen. Wie das Handelsblatt aus unternehmensnahen Kreisen erfuhr, führt die WestLB darüber in London bereits "sehr ernsthafte" Gespräche. "Allerdings stecken wir noch in einem sehr frühen Stadium", sagt ein Bankenmanager.

Berichte, nach denen die WestLB den Railtrack-Aktionären bis zu 240 Pence pro Aktie bei einer Übernahme zahlen will, kommentierte die WestLB am Sonntag nicht. Das würde Railtrack mit rund 1,2 Milliarden Pfund bewerten, noch vor Monaten hatte der Wert noch das Fünffache betragen. Für Railtrack war vor zwei Wochen das Insolvenzverfahren eröffnet und die Aktie beim Kurs von 280 Pence ausgesetzt worden.

Die WestLB hat in einem öffentlich gewordenen Brief an die Regierung ihr Interesse an Railtrack bekundet. Am Freitag sollen sich Vertreter der Bank mit der als Railtrack-Verwalter eingesetzten Beratungsfirma Ernst & Young getroffen haben. Die WestLB glaubt unter ihrer Regie die Finanzsituation von Railtrack um zwei Milliarden Pfund (6,5 Milliarden Mark) verbessern zu können. Das 1996 privatisierte Unternehmen ist mit 3,3 Milliarden Pfund verschuldet.

Die Regierung in London will Railtrack nach dem wirtschaftlichen Kollaps mit privaten Investoren in eine nicht gewinnorientierte neue Firma wandeln. Die WestLB hat vor, in ihr Konsortium alle 26 britischen Zugbetreiber sowie die zwei großen Cargofirmen Bechtel und National Express zu holen. Als Partnerbank wird über ein Interesse von Barclays Capital spekuliert.

Die Westdeutsche Landesbank hatte zuvor bereits andere marode Geschäfte in Großbritannien übernommen. So kontrolliert die Düsseldorfer Bank den britischen Kneipenbesitzer Pubmaster, zu dem 2000 englische Gaststätten gehören. Zudem will die WestLB das Festnetz von British Telecom (BT) übernehmen. Railtrack ist für alle Signalanlagen, 2500 Bahnhöfe und ein 23000 Meilen umfassendes Schienennetz verantwortlich. Nach schweren Zugunglücken, für die Railtrack verantwortlich war, geriet der Betreiber in die Krise.

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