WestLB und BayernLB : Fusion der Landesbanken: Hochzeit oder Todesfall

Die acht Landesbanken sollen sich zu größeren Einheiten zusammentun. Experten warnen: Eine Fusion um jeden Preis macht keinen Sinn.

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Berlin - Bei den deutschen Landesbanken geht es gerade so zu, wie man es sich auf einem orientalischen Heiratsbasar vorstellt. Die Bräute stöckeln nervös auf und ab, während die Eltern in Hinterzimmern über die Mitgift verhandeln. Zwischendurch wird viel getuschelt. Der heißeste Tipp ist derzeit eine Hochzeit zwischen der WestLB und der BayernLB. Die Eigentümer verhandeln offiziell über eine Fusion. Parallel, ließ der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) in der vergangenen Woche verlauten, fänden auch Gespräche statt über einen Zusammenschluss zwischen WestLB, der Landesbank von Hessen und Thüringen (Helaba), der Dekabank, der Fondsgesellschaft der Sparkassen, und der Landesbank Berlin. Öffentlich bestreiten die Institute alles, intern ist klar: Jeder redet mit jedem.

„Jedes Land versucht, seine Bank in eine möglichst gute Ausgangsposition zu bringen“, sagt ein hessischer Politiker. Alle Beteiligten wissen: Acht eigenständige Landesbanken wird es nicht mehr lange geben. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat wiederholt eine Konsolidierung des Sektors gefordert, Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagt, eine einzige Landesbank würde ausreichen. Auch die EU macht Druck. Bund und Länder haben 20 Milliarden Euro zur Rettung von vier Landesbanken aufgebracht, dafür verlangt die Wettbewerbskommission eine Verkleinerung der Institute. Die West LB muss bis Ende 2011 verkauft worden sein. Für den kommenden Dienstag hat Schäuble die Eigentümer der Landesbanken, die Länder und die Sparkassen, zum Gespräch einbestellt. Der Finanzminister selbst wird bei dem Treffen nur moderieren, die Regierung hat keinen Einfluss auf den Fusionsprozess. Mit einer Ausnahme: Über den Bankenrettungsfonds Soffin ist der Bund mit drei Milliarden Euro an der WestLB beteiligt.

Gegründet worden sind die Landesbanken, um die öffentlich-rechtlichen Sparkassen zu unterstützen und politisch gewollte Projekte in den Bundesländern zu finanzieren. Weil die Länder für ihre Banken hafteten, konnten sie günstiger Geld leihen als andere. Ob die Geschäfte betriebswirtschaftlich sinnvoll waren, spielte bei den Instituten, in deren Aufsichtsräten vor allem Lokalpolitiker und Sparkassendirektoren sitzen, nicht immer eine Rolle. Inzwischen gibt es viele große Sparkassen, die nicht auf Hilfe angewiesen sind. Allein vom Kreditgeschäft können acht Landesbanken nicht leben, Experten fordern darum schon seit Jahren Zusammenschlüsse. Hinzu kommt: Die EU hat die sogenannte Gewährträgerhaftung ab 2003 verboten. Die Institute, die sich zuvor noch einmal mit billigem Geld vollgesogen hatten, verlegten sich auf den Handel mit Wertpapieren. Etliche verspekulierten sich. Seit der Finanzkrise jagt eine Skandalgeschichte die nächste. Und nachdem in Basel neue Eigenkapitalregeln beschlossen wurden, brauchen die Institute demnächst viel zusätzliches Geld. Kurz: Die Landesbanken, einst Statussymbol und Machtinstrument, schaden ihren Eigentümern heute mehr als sie nutzen.

Die Voraussetzungen für einen radikalen Umbau des Systems waren also nie so gut wie heute. Unverändert sind die widerstreitenden Interessen: Hier die Sparkassen, die keine weiteren Risiken auf ihre Bücher nehmen wollen, da die Landespolitiker, die ihre Finanzplätze nicht aufgeben wollen, auch, weil die Landesbanken große Arbeitgeber sind. Die Frage ist aber nicht nur, wem eine Fusion nutzt, sondern ob sie überhaupt Sinn macht. „Einfach Banken zusammenlegen, bringt gar nichts“, sagt Hans-Jürgen Singer, Professor für Bankwesen an der Uni Leipzig. Wichtig sei, dass die Geschäftsmodelle zusammenpassten und dass die Strukturen so verkleinert würden, dass das neue Unternehmen seinen Betrieb selbst finanzieren könne. „Ein Zusammenschluss macht nur Sinn, wenn Personal abgebaut wird und Geschäftsbereiche zusammengelegt werden.“ Viele Fusionen scheiterten am Ende auch daran, dass Unternehmenskulturen nicht zusammenpassten. Von einer Hochzeit zwischen WestLB und BayernLB hält Singer nichts. „Aus zwei Kranken wird kein Gesunder“, sagt er, weil beide Institute in der Krise schwer getroffen wurden. Trotzdem werde schon darüber gestritten, wo die neue Großbank ihren Sitz haben soll. Singer ist sich sicher, dass die beteiligten Politiker beide Standorte erhalten werden: „Von der Fusion werden vor allem die Fluggesellschaften profitieren, die zwischen Düsseldorf und München hin- und herfliegen.“

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