Wirtschaft : WestLB und Kartellamt über Touristikfusion einig

ANDREAS MIHM FLORIAN KOLF (HB)

Bis Mitte Februar dürfte damit einer der schwierigsten Fusionsfälle in der deutschen Fremdenverkehrsbranche gelöst seinVON ANDREAS MIHM / FLORIAN KOLF (HB)

BERLIN/DÜSSELDORF.Der Weg für die Gründung eines Touristikkonzerns unter dem Dach der Preussag AG ist geebnet.Das Bundeskartellamt und die WestLB sind sich über den Verkauf von deren Anteilen an der LTU im Prinzip einig.Offen ist weiter, wer die Anteile übernehmen wird.Das Magazin "Focus" schreibt in seiner heute erscheinenden Ausgabe, die WestLB wolle ihre LTU-Beteiligung mit der Deutsche-Bahn-Tochter DER zusammenlegen. Spätestens Mitte Februar dürfte damit einer der schwierigsten Fusionsfälle in der deutschen Touristikbranche unter Dach und Fach sein.Das Bundeskartellamt und die Westdeutsche Landesbank (WestLB) sind sich einig, daß eine Bereinigung der gravierenden wettbewerblichen Probleme möglich ist.Deswegen rechnet in Kreisen der Beteiligten niemand mehr damit, daß die Berliner Wettbewerbshüter die von der Preussag AG, Hannover, geplante Übernahme des Reiseveranstalters Hapag-Lloyd untersagt.Damit ist der Weg offen für eine Neugliederung des deutschen Reisemarktes, der auch die Beziehungen der Unternehmen untereinander neu ordnet.Marktführer wäre das "rote Lager" unter Leitung der Preussag mit rund 25 bis 30 Prozent Marktanteil vor dem "gelben Lager", entstanden aus NUR und Condor mit 20 Prozent.Dritter im Bunde ist dann die LTU mit ihrer Veranstaltertochter LTT, die auf 10 bis 15 Prozent Marktanteil kämen. Ohne die angestrebten Entflechtungen würde die WestLB eine dominierende Position auf dem deutschen Touristikmarkt einnehmen: Direkt oder indirekt wäre sie an einer Gruppe von Reiseunternehmen beteiligt, die zusammen auf rund 40 Prozent Marktanteil kommen.Derzeit hält die WestLB sowohl mehr als ein Drittel der Anteile an Preussag als auch 34 Prozent an LTU. Um dies zu verhindern, müsse die WestLB dem Kartellamt zusichern, ihren Anteil an der LTU zu veräußern, heißt es in Kreisen der Beteiligten.Entsprechende Pläne befinden sich derzeit in der Endabstimmung.Der dafür einzuräumende Veräußerungszeitraum soll aber großzügig - offenbar über mehrere Jahre - bemessen werden.Damit will man den zeitlichen Druck für einen Verkauf mindern.Andernfalls könnten die Verkaufserlöse der WestLB, die bei einer LTU-Veräußerung mit mehreren 100 Mill.DM rechnet, unter Druck geraten.Ob WestLB-Chef Friedel Neuber die 700 Mill.DM, die er seinerzeit für den LTU-Anteil bezahlt hat, jetzt wieder erlösen kann, ist ohnehin fraglich.Erschwerend kommt hinzu, daß die WestLB ihr Verhalten eng mit den Töchtern des LTU-Gründers Conle abstimmen muß, die zusammen zwei Drittel der LTU-Anteile halten und ein Vorkaufsrecht für den von der Düsseldorfer Bank gehaltenen Anteil haben.Spekuliert wird darüber, ob die Familie weitere Anteile an LTU abgeben würde, um einem neuen Eigner mit dem WestLB-Anteil einen Mehrheitserwerb zu ermöglichen. Da das Kartellamt über eine tatsächliche Veräußerung der Anteile hinaus sicherstellen will, daß eine weitere Einflußnahme der WestLB auf die Geschäfte der LTU ausgeschlossen ist, muß die Düsseldorfer Landesbank ihre Anteile einem Treuhänder übertragen.Dieser soll dann mit dem Verkauf beauftragt werden.Als "Parkstation" kommt möglicherweise eine Investmentbank in Frage. Offen ist, wie gesagt, wer die LTU-Anteile übernimmt.Erste Verhandlungen mit potentiellen Käufern sollen angeblich bereits laufen.Das große Problem dabei ist, einen Interessenten zu finden, der aus Sicht des Kartellamtes unbedenklich ist und zugleich über die nötigen Finanzmittel verfügt.Als Favorit wird der größte britische Reiseveranstalter Airtours gehandelt, bei dem schon lange Ambitionen auf den deutschen Markt vermutet werden.

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