Wirtschaft : WestLB: Verhandlungen mit Staatsanwalt

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Nachdem die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft kürzlich öffentlich eine Anklage gegen führende Manager der Westdeutschen Landesbank (WestLB) ins Spiel gebracht hat, arbeiten beide Seiten zur Zeit intensiv an einer Verhandlungslösung ohne Anklage. Die Staatsanwälte beschuldigen vier aktive und zwei ehemalige Vorstandsmitglieder verantwortlich für die Transfers von Kundengeldern nach Luxemburg gewesen zu sein und auf diese Weise Beihilfe zur Steuerhinterziehung in dreistelliger Millionenhöhe geleistet zu haben. Bei der Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft liegt gegenwärtig ein Einigungsvorschlag, der es den Anklägern ermöglichen würde, die Verfahren gegen vier Vorstandsmitglieder, darunter Bankchef Friedel Neuber, einzustellen. Diese Lösung war allerdings erst möglich, nachdem zwei Vorstände der Westdeutschen Landesbank konkret die Verantwortung für die Transfers der Kundengelder in das Steuerparadies Luxemburg übernommen haben und ankündigten eine Geldbuße zu akzeptieren.

Holdijk übernimmt die Verantwortung

Nach Informationen des Tagesspiegel handelt es sich dabei um das jüngste Vorstandsmitglied Rudolf Holdijk, der sein Amt zur Verfügung stellen würde, und ein ehemaliges Vorstandsmitglied. Im Rahmen der Verhandlungen mit der Staatsanwaltschaft hatte Bankchef Friedel Neuber angeboten, die Gesamtverantwortung für die illegalen Transfers zu übernehmen, die Ankläger hatten das allerdings abgelehnt. Da Neuber bis zuletzt betont hat, von den anonymen Transfers nichts gewusst zu haben, haben die Staatsanwälte diese Lösung nicht akzeptiert. Statt dessen haben sie nun unter anderem Bankvorstand Holdijk im Visier, er ist auch für das Wertpapiergeschäft der WestLB zuständig.

Anlageberaterin bereits verurteilt

Erst kürzlich hatte das Düsseldorfer Amtsgericht eine inzwischen pensionierte Anlageberaterin der WestLB wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt, weil sie Kundengelder anonym nach Luxemburg geleitet hatte. Sie hatte allerdings ausgesagt, dass es keine Anweisung des Vorstandes für derartige Transfers gegeben habe. Bankchef Neubers Vertrag läuft noch bis zum 31. August, sein designierter Nachfolger Jürgen Sengera soll am kommenden Freitag vom Verwaltungsrat offiziell bestellt werden. Erst danach will man entscheiden, wie der Übergang im Detail geregelt wird.

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