WestLB-Verkauf : Commerzbank will die Finanzkrise nutzen

Die Commerzbank will wachsen und zeigt Interesse an der WestLB. Damit reiht sich nach der BayernLB und Baden-Württembergs LBBW erstmals eine Privatbank in den Interessentenkreis ein. Doch Commerzbank-Chef Müller hadert mit den Bedingungen.

Markus Mechnich
Commerzbank Müller
Hat gut lachen: Für Commerzbank-Chef Müller, hier auf der Hauptversammlung diesen Jahres, könnte die internationale Finanzkrise...Foto: dpa

Frankfurt/MainDeutschlands zweitgrößtes Geldinstitut, die Commerzbank, soll größer werden. Vorstandschef Klaus-Peter Müller will sich aus der Rolle des ewigen Übernahmekandidaten herausarbeiten und nun selbst zukaufen. Dabei soll es mit der WestLB gerade eine Bank aus dem schwierigen Sektor der Öffentlich-Rechtlichen werden. Im Auge hat man dabei den Landesanteil der WestLB, der allerdings nur eine Minderheitsbeteiligung wäre, berichtete die "Westdeutschen Allgemeine Zeitung". Mit dieser Konstellation hadert der Commerzbank-Chef denn auch: "Herr Rüttgers verfügt als Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen über 38 Prozent des Kapitals der WestLB, so dass es notwendig wäre, dass sich noch weitere Anteilseigner bereit finden müssten zum Verkauf an einen privaten Investor."

Dennoch soll sich Müller bereits mit dem Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, getroffen haben. Hintergrund des Interesses könnte auch ein neues Erwachen bei den Banken sein. Für Müller ist internationale Finanzkrise zwar großteils ausgestanden. Bei der "Handelsblatt"-Tagung "Banken im Umbruch" stellt er fest: "Es gibt gute Gründe, davon auszugehen, dass die Märkte wieder in ein ruhigeres Fahrwasser kommen." Dennoch sieht er die Krise noch nicht ganz überwunden, denn das "Hochwasser" sei noch nicht vorbei.

Commerzbank will aus der Defensive

Das Motiv des Banken-Chefs ist klar. Er will das traditionsreiche Frankfurter Geldinstitut aus der Defensive führen. In den letzten Jahren war die Commerzbank stets ganz vorne was Übernahmegerüchte unter deutschen Banken angeht. Experten sehen die Kapitalisierung als zu gering an und somit wäre das Haus ein leckerer Happen für die umtriebigen Private-Equity-Fonds, die mit prall gefüllten Kassen in den letzten Jahren scheinbar jedes halbwegs interessante Unternehmen kauften. Diese sind zwar geschwächt durch die Liquiditätskrise, denn auch sie müssen sich im Bankensektor mit frischem Geld versorgen. Aber Müller will vorbeugen für die Zeit danach, wenn sich die Fonds wieder erholt haben.

In die Mahnung zu mehr Transparenz und einem bewussten Risikomanagement stimmt auch der Commerzbank-Chef ein. Institute ohne tragfähiges Geschäftsmodell seien nicht gut beraten, ihr Heil in der Anlage spekulativer Werte zu suchen, "die sie nicht oder nur unzureichend beurteilen könne", sagte Müller. Gemeint sind damit die Banken aus dem öffentlich-rechtlichen Sektor. Nach der Krise der IKB gab es viel Kritik an den Geschäften im risikoreichen US-Immobilienmarkt. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) sprang der Mittelstandsbank mit öffentlichen Geldern zu Seite.

Schwierige Eigentumsverhältnisse bei der WestLB

Überhaupt scheint sich die WestLB nicht gerade zum einem heißgbegehrten Verkaufsobjekt zu entwickeln. Die BayernLB dementierte gestern vorsorglich schon mal die ihr unterstellten Kaufabsichten. Doch da könnte die Politik nochmal eingreifen und ihre Bank zu dem unliebsamen Deal zwingen. Das Desinteresse verwundert nicht, denn die Eigentumsverhältnisse der WestLB sind schwierig. Die beiden Sparkassenverbände Nordrhein-Westfalens halten derzeit jeweils rund 25 Prozent an der WestLB, das Land hält 38 Prozent. Der Rest ist im Streubesitz. Der Landesanteil steht jetzt zum Verkauf, reicht aber nicht für eine Mehrheit. Und nur eine solche ist für eine Privatbank wirklich von Interesse.

Commerzbank-Chef Müller will allerdings auf dem Boden bleiben. Die Kaufmöglichkeiten hierzulande sieht er rar gesät. Einen schweren Brocken, wie die Landesbank Berlin möchte er nicht schultern. Die LBB wurde vom Sparkassen-Verband für die Summe von rund 4,8 Milliarden Euro gekauft. Wenn Mitbewerber bereit seien, einen politischen Preis zu zahlen, bleibe die Commerzbank bei der betriebswirtschaftlichen Ratio. "Zur Zahlung von Mondpreisen waren und sind wir nicht bereit", betont der Banker. Die Commerzbank war beim Bieterstreit um die LBB Berlin als letztes privates Geldinstitut ausgeschieden. Dennoch will die Commerzbank jede sich bietende Möglichkeit konsequent nutzen. Für Müller wäre es ein großer Erfolg der Commerzbank endlich einen potenten Zukauf zu bescheren, denn der Ruf eines Übernahmekandidaten lastet doch schwer auf der Bank. Schließlich will man nicht außen vor bleiben, wenn sich die deutsche Bankenlandschaft im Zuge der Finanzkrise nun doch konsolidiert. (mit dpa)

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