WestLB will verkaufen : Weberbank geht offenbar an Sparkasse in Potsdam

Die EU-Kommission hat den Verkauf des Instituts gefordert

Stefan Kaiser
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Drei Eigentümer in vier Jahren. Die Weberbank soll verkauft werden. Foto: p-a/dpa

Berlin - Die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam (MBS) steht offenbar kurz vor dem Kauf der Berliner Weberbank. „Der Deal ist so gut wie abgeschlossen“, sagte ein hochrangiger Finanzmanager dem Tagesspiegel. Die bisherige Eigentümerin der Weberbank, die in Düsseldorf ansässige Landesbank WestLB, wollte die Informationen auf Anfrage nicht kommentieren. Ein Sprecher sprach von „Marktspekulationen“. Auch die MBS und die Weberbank wollten sich nicht äußern.

Die Mittelbrandenburgische Sparkasse  wäre für die Weberbank der dritte Eigentümer in vier Jahren. Das auf vermögende Privatkunden spezialisierte Institut war erst im Jahr 2005 für 52 Millionen Euro von der damaligen Bankgesellschaft Berlin (heute Landesbank Berlin) an die WestLB verkauft worden – damals auf Betreiben der EU-Kommission, die den Verkauf von Konzernteilen als Auflage für die Genehmigung staatlicher Beihilfen für die Landesbank verlangt hatte.

Auch diesmal spielt die EU-Kommission wieder eine Rolle. Sie verlangt wegen öffentlicher Beihilfen für die angeschlagene WestLB den Verkauf der Landesbank in Einzelteilen. Nach Angaben aus Finanzkreisen muss sich die WestLB bis zum heutigen Dienstag mit der EU-Kommission auf ein Konzept geeinigt haben, welche Teile verkauft werden sollen. Ende Mai solle dann mit den offiziellen Verkaufsverfahren begonnen werden. Einzelne Töchter wie die Weberbank oder die ebenfalls in Berlin ansässige Readybank könnten jedoch schon früher veräußert werden.

Wie viel die Mittelbrandenburgische Sparkasse für die Weberbank bezahlen soll, ist unklar. Die traditionsreiche Berliner Privatbank, die heute rund 250 Mitarbeiter hat und auch mehrere Filialen in Nordrhein-Westfalen betreibt, schreibt seit Jahren Verluste. Allein 2007 waren es nach Tagesspiegel-Informationen fast elf Millionen Euro. 2008 dürfte der Verlust noch deutlich höher liegen.

Ganz anders steht die MBS da. Sie gilt als eine der profitabelsten Sparkassen in Deutschland und hat in den vergangenen Jahren stets hohe Millionenbeträge in ihre Rücklagen gesteckt. Anfang März hatte sie für das Geschäftsjahr 2008 einen Jahresüberschuss von 53,3 Millionen Euro bekannt gegeben.

Mit fast 1,2 Millionen Konten und rund 1600 Mitarbeitern ist die MBS die mit Abstand größte Sparkasse in Brandenburg. Mit Ausnahme des Nordostens ist sie rund um Berlin das führende Kreditinstitut. MBS-Chef Walter Schubert will Ende des Jahres in den Ruhestand gehen und könnte sich mit dem Kauf der Weberbank noch selbst ein schönes Abschiedgeschenk machen. Öffentlich äußern will sich Schubert zu diesem Thema jedoch nicht: „Zu Spekulationen gibt es von mir keinen Kommentar“, sagte der Sparkassenchef auf Anfrage.

Schubert hatte bereits vor drei Jahren versucht, auf den Berliner Markt zu drängen. Damals unterlag er im Bieterwettbewerb um die Berliner Bank gegen die Deutsche Bank. Der zweite Versuch scheint nun zu gelingen. Bei der Berliner Sparkasse dürften die Expansionspläne aus Brandenburg indes skeptisch betrachtet werden. In der Sparkassen-Gruppe gilt das sogenannte Regionalprinzip, das das Geschäftsgebiet einer Sparkasse auf die Region ihrer Träger, also in der Regel der Kommunen, begrenzt. Ein konkurrierendes Institut aus dem eigenen Lager wird deshalb im Prinzip nicht gerne gesehen.

Für die Weberbank könnte der Verkauf an die MBS dagegen ein Schritt in ruhigeres Fahrwasser sein. Durch den letzten Eigentümerwechsel war auch personell viel Unruhe in der Bank entstanden. Der seit September amtierende Chef Andreas Goßmann ist bereits der vierte in vier Jahren. Stefan Kaiser

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