Wirtschaft : Westöstlicher Diwan

Philipp Mainzer und Farah Ebrahimi kombinieren orientalische Formensprache mit modernem Design

Rolf Brockschmidt

Vom Dialog der Kulturen ist viel die Rede dieser Tage, von Orient und Okzident, und manchmal hat man den Eindruck, dass beide sich nichts zu sagen haben, dass Klischees das Bild beherrschen. Denkt man an Orient und Okzident im Bereich des Wohnens, dann fallen einem wahrscheinlich nur die Klischees des Exotismus ein, des kissenbeladenen Diwans, auf dem sich träge Herrscher räkeln. Kann man wirklich etwas aus dem Thema machen?

Philipp Mainzer und seine aus dem Iran stammende Frau Farah Ebrahimi haben zusammen ein Möbel entworfen, das beide Welten auf eine moderne Weise miteinander verbindet. Wer denkt, dass zum Thema Sofa oder Wohnlandschaft alles gesagt ist, der schaue sich SF03 Shiraz an. Ein Programm, das auf geniale Art und Weise östliche und westliche Traditionen miteinander verbindet, denn die traditionelle Art des Sitzens im Orient unterscheidet sich doch sehr von der disziplinierten Art des Sitzens im Westen. Lange Zeit saß man bei uns nicht einfach so „auf dem Boden“. Aber auch hier sind die Dinge in Bewegung geraten, Lounging und Bodenkissen haben auch in unseren Wohnungen Einzug gehalten.

Mainzer und Ebrahimi haben nun eine Synthese aus beiden Traditionen versucht, mit einem überraschenden Ergebnis. „Das zentrale Element dieses Konzeptes ist die Möglichkeit, verschiedene Rückenteile und Sitzflächen beliebig miteinander zu verbinden“, heißt es in der Projektbeschreibung. Was herausgekommen ist, ist mehr als ein Sofa, es ist eher ein Sofa mit Rückwand. Jawohl, mit Wand. Von einer Lehne kann man bei dieser bis auf 85 oder 125 Zentimeter hochgezogenen Rückwand eigentlich nicht mehr sprechen. Sie kann wahlweise so breit wie das Sitzelement sein, aber auch breiter. Somit setzt das Möbel völlig neue, überraschende Akzente im Raum, es teilt, es verdeckt, versteckt, schafft aber auch in einem sehr großen Raum eine heimelige Atmosphäre, einen Rückzugspunkt. Der wird natürlich noch durch Kissen jeder Art verstärkt. Die Sitzauflagen sind an der Wand hochgezogen, mit weiteren Wurfkissen in unterschiedlicher Breite nähert man sich der orientalischen Anmutung. Vorbilder sind persische Day-beds. Mit dem dazu passenden Hocker „Ottoman“ lässt sich dann eine Wohnlandschaft kreieren, die der Fantasie breiten Raum lässt und ein wenig orientalische Bequemlichkeit ins an sich formstrenge klare westliche Design bringt.

Hat man genügend Platz, lassen sich auch zwei Elemente mit Rückwand über Eck kombinieren, was die Möglichkeit eröffnet, in einem großen Raum gemütliche Inseln zum Zurückziehen zu schaffen. Mit einer Vielzahl von Kissen lässt sich auch der Übergang zum Boden fließend gestalten.

Entscheidend für das Wohlbefinden sind die Bezugsstoffe – weicher Samt, fast reliefartig gewebte Schurwolle, festes Leinen. Sie zitieren orientalisches Lebensgefühl und Tradition. Der Hersteller e15, dessen Geschäftsführer Philipp Mainzer auch ist, hält eine große Palette an Stoffvarianten bereit, um einen gelungenen Mix zu garantieren. Interessant ist überhaupt die Hinwendung zu Sofas und Stoffen, denn bisher ist e15 vor allem durch seine massiven Vollholzmöbel aufgefallen.

Die tauchen in dieser „orientalischen“ Kollektion geradezu fragil eher am Rande auf in Form des runden Couchtisches Leila, der die Tradition der niedrigen Teetische aufnimmt. Passend dazu das Tablett „Habibi“ (Mein Lieber) in Stahl oder Messing, ganz glatt und ohne jede getriebene Verzierung. Aber die Ursprünge sind unverkennbar.

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