Wettbewerb : Das Zahnpasta-Kartell

Um üppige fünf Prozent setzten die deutschen Drogerien die Preise für Alltagsprodukte wie Pril, Palmolive oder Colgate herauf. Das war kein Zufall – die vier Hersteller hatten sich in einem Kartell abgesprochen. Dafür müssen sie nun büßen: Das Bundeskartellamt verhängte am Mittwoch eine Strafe von 37 Millionen Euro gegen sie.

Carsten Brönstrup

Berlin - Betroffen sind Henkel, Schwarzkopf und die deutschen Töchter von Sara Lee und Unilever. Aufgeflogen waren sie, nachdem Colgate-Palmolive die Absprache bei den Bonner Wettbewerbshütern gemeldet hatte. Man kannte sich gut: Die Firmen hatten seit Jahren Informationen über den Stand der Verkaufsgespräche mit den Einzelhändlern und über ihre Rabattforderungen ausgetauscht. Doch Colgate wurde die Sache offenbar zu heiß. Jetzt kommt der Konzern in den Genuss einer seit 2005 bestehenden Kronzeugenregelung und muss kein Bußgeld zahlen.

Kartellamtspräsident Bernhard Heitzer sagte, die hohe Wettbewerbsintensität im Handel dürfe nicht durch Absprachen „konterkariert“ werden. „Der Austausch von sensiblen Informationen über Rabattverhandlungen schränkt bereits den Wettbewerb ein und verstößt gegen deutsches und europäisches Kartellrecht“, sagte er. Die Firmen hätten ihre Preise unabhängig voneinander festzusetzen.

Zuletzt hatte es eine Reihe von Kartellfällen gegeben. So mussten drei deutsche Hersteller von Dekorpapier, das in der Möbelindustrie eingesetzt wird, 62 Millionen Euro zahlen. Auch Süßwarenhersteller wie Kraft Foods (Milka), Nestlé (Smarties), Ritter und Mars stehen im Verdacht, sich abzusprechen – das Kartellamt ermittelt. Der größte Fall der jüngeren Zeit war ein Kartell von Aufzugherstellern. Vier Firmen, darunter Thyssen- Krupp, bekamen von der EU-Kommission 2007 die Rekordstrafe von 992,3 Millionen Euro aufgebrummt.

Experten finden die Häufung aber nicht bedenklich. „Das hat auch damit zu tun, dass die Behörde besser ermitteln kann und die Entdeckung wahrscheinlicher geworden ist durch das neue Kartellrecht seit 2005“, sagte der Erlanger Professor Justus Haucap, Mitglied der Monopolkommission, die für den Bund den Wettbewerb überwacht. Die Wahrscheinlichkeit für ein Kartell sei stets groß, wenn es wenige Wettbewerber gibt, die Anbieter ähnlich groß seien oder sich die Produkte kaum unterscheiden. „Die Bauindustrie etwa ist immer wieder anfällig für Kartelle – Kosten und Herstellungsweise sind ähnlich, anders als etwa bei Autos.“ Bei Tankstellen gebe es nur einen Verdacht auf Absprachen – dass Preise recht ähnlich sind, liege möglicherweise nicht an einem Kartell, sondern am scharfen Wettbewerb. „Aber ein ungutes Gefühl bleibt“, befindet Haucap. Carsten Brönstrup

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