Wettbewerb : Gewinn der Sparkassen steigt um fast 150 Prozent

100 Euro verschenkt pro neuem Konto: Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis ist stinksauer auf die Commerzbank. Seiner Ansicht nach ist der Wettbewerb verzerrt.

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Frankfurt am Main „Die in Deutschland am stärksten gestützte Bank verschenkt weiter bis zu 100 Euro pro neuem Konto“. Dies sei eine nicht akzeptable Wettbewerbsverzerrung gegenüber den nicht staatlich gestützten Sparkassen und auch Volksbanken, sagte Haasis am Mittwoch bei der Vorlage der Bilanzzahlen des Branchenverbandes DSGV. Die Commerzbank habe 18,2 Milliarden Euro Staatshilfen erhalten, zahle aber wegen roter Zahlen nicht die eigentlich fälligen Zinsen von 900 Millionen Euro und locke gleichzeitig Kunden mit Geschenken. Rechtlich freilich sieht Haasis keine Handhabe. Er wolle das Thema aber weiter bei der Bundesregierung und auch bei der Commerzbank ansprechen.

Die 431 Sparkassen haben 2009 einen Netto-Gewinn von 2,3 Milliarden Euro erwirtschaftet, fast 150 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Das Ergebnis und unser Wachstum geht auf reales Kundengeschäft zurück, und nicht auf spekulative Finanzmarktpositionen oder Kreditersatzgeschäfte“, sagte Haasis – ein Seitenhieb auf die Groß- und die Investmentbanken. Vor Steuern lag das Ergebnis bei 4,6 Milliarden Euro, sodass die Sparkassen 2,3 Milliarden Euro an den Fiskus abführten. „Wir haben seit dem Jahr 2000 mehr als 20 Milliarden Euro an Steuern gezahlt“, betonte Haasis.

Die Sparkassen kämen auch ihrer Verantwortung im Kreditgeschäft in vollem Umfang nach. Die Kundenkredite seien 2009 um 1,8 Prozent auf 642 Milliarden Euro gestiegen, bei Unternehmen und Selbstständigen liege das Wachstum bei 3,2 Prozent. Den Unternehmen stünden liquide Mittel in Höhe von 74 Milliarden Euro zur Verfügung. „Jede Geschäftsidee, bei der ausreichend Aussicht auf Rückzahlung des Kredits besteht, wird bei den Sparkassen finanziert“, betonte Haasis.

2010 könnte allerdings auch für die Sparkassen schwieriger werden. Der DSGV erwartet eine zunehmende Zahl von Pleiten und Kreditausfällen, unter anderem im Maschinenbau und bei Automobilzulieferern. Nach Ansicht von Haasis könnten bei der Unterstützung der Wirtschaft auch die Landesbanken wieder eine wichtige Rolle spielen. Etliche Institute seien relativ gut durch die Krise gekommen. Vor allem mit der Entwicklung der Landesbank Berlin sei er sehr zufrieden. Der DSGV-Präsident rief die Landesbanken aber auf, sich „künftig stärker auf Geschäfte mit realwirtschaftlicher Grundlage zu konzentrieren und weniger auf reine internationale Finanzgeschäfte.“ Rolf Obertreis

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