Wirtschaft : Wettbewerb schadet der T-Aktie nicht

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Von Corinna Visser

Die Telekom bleibt Thema im Wahlkampf – zum Nachteil der Kleinaktionäre. Zunächst litt die T-Aktie unter den Diskussionen über Ron Sommer. Am Ende trat der Telekom- Chef zurück. Der Aktie half das nicht. Denn wer das Unternehmen künftig leiten und die Probleme lösen wird, ist immer noch nicht klar. Die Politik hat den Ex-Vorstandschef vertrieben, ohne eine überzeugende Alternative zu haben. Nun verschreckt Wirtschaftsexperte Lothar Späth aus dem Kompetenzteam von Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber die Börse ohne Not erneut. Die Telekom müsse schnell und umfassend privatisiert werden, sagt Späth. Im Prinzip hat er ja recht. Nur der Zeitpunkt für eine solche Aussage ist – im Hinblick auf die Börse – schlecht gewählt. Telekommunikationsaktien sind dort derzeit nicht beliebt. Das wird sich nach der Wahl auch nicht schlagartig ändern. Der Bund besitzt rund 1,8 Milliarden T-Aktien. Brächte er sie in naher Zukunft in großen Paketen auf den Markt – er würde keine Käufer finden. Der Preis der T-Aktie würde ins Bodenlose stürzen.

Auf den ersten Blick schlecht für T-Aktionäre ist auch, dass die freie Anbieterwahl – Call-by-Call – auch im Ortsnetz noch in diesem Jahr möglich werden soll. Das bedeutet mehr Wettbewerb im Ortsnetz, wo die Telekom heute immer noch zu 98 Prozent den Markt beherrscht. Call-by-Call bei Fern- und Auslandstelefonaten hat den Wettbewerb in Schwung gebracht. Hier hat die Telekom kräftig Marktanteile verloren – sich am Ende aber besser behauptet, als viele erwartet haben. Über mehr Wettbewerb für die Telekom – zum Vorteil des Verbrauchers –, müssen sich die Anleger also weniger Sorgen machen als über die Einfälle aus der Politik.

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