Wirtschaft : Wettbewerb um Preis und Qualität

BONN (sm/HB).Krankenkassen und Kassenärzte wollen auf unterschiedlichen Wegen die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung stabil halten.Die Kassen wollen das bisherige Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) weitgehend beibehalten, aber nicht mehr mit allen Ärzten, Krankenhäusern und anderen Leistungsanbietern Verträge abschließen.Das bisherige Monopol der Kassenärztlichen Vereinigungen beim Abschluß von Versorgungsverträgen für niedergelassene Ärzte will der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) knacken.Es solle künftig Verträge mit untereinander konkurrierenden "Praxisnetzen" geben, in denen die Qualität der Versorgung und die Wirtschaftlichkeit geregelt werde, schlug der Vorsitzende des BKK-Verbandes, Wolfgang Schmeinck, vor.

Demgegenüber will die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) allen niedergelassenen Ärzten die Möglichkeit erhalten, auf Kassen-Chip abzurechnen.Sie plädiert dafür, einen Teil der Kassenleistungen aus dem Angebot der Kassen zu streichen.Bisher wird der Leistungskatalog für die ambulante Versorgung im Rahmen gesetzlicher Vorgaben von einem gemeinsamen Ausschuß der Ärzte und Krankenkassen festgelegt.Für Honorarvereinbarungen mit den Kassenverbänden haben die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) ein Monopol.Zwar können die Kassen nach der jüngsten Gesundheitsreform auch Versorgungsverträge mit einzelnen Arztgruppen abschließen.Dies setzt aber die Zustimmung von 50 Prozent der Kassenärzte vor Ort voraus.Schmeinck warf der KBV bei einer Tagung seiner Organisation in Bonn vor, diese Regelung zu blockieren, indem sie nicht einmal Ausführungsbestimmungen für die nach dem Gesetz vorgesehenen Urabstimmungen unter den Ärzten vorlege.Er präsentierte ein Konzept, mit dem das bisherige Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenkassen bei stabilen Beiträgen aufrechterhalten werden soll.Danach sollen die Kassen weiter "alle Leistungen, aber nicht alle Anbieter bezahlen", erklärte der Vorsitzende des BKK-Verbandes.

Nach Schmeincks Modell sollen in den einzelnen Regionen nicht nur Krankenkassen, sondern auch Ärzte, Zahnärzte, Therapeuten und Krankenhäuser miteinander im Wettbewerb stehen.Die Krankenkassen sollten dabei die Möglichkeit haben, Verträge mit "Praxisnetzen" abzuschließen, in denen neben Qualitätsanforderungen auch Budgets vereinbart werden können.In solchen Netzen dürften jedoch auf keinen Fall mehr als ein Drittel der Ärzte einer Region zusammengeschlossen sein, um eine marktbeherrschende Stellung zu vermeiden, empfahl der BKK-Vorsitzende.Das Modell solle auch auf den Krankenhausbereich ausgedehnt werden.Auch hier sei es nötig, Qualitätsstandards und Behandlungsleitlinien festzulegen, betonte der Verbandschef.Patienten und Ärzte müßten die freie Wahl haben, an welchem Netz sie teilnehmen wollten.Auch müßten die Werbeverbote für Ärzte aufgehoben werden.

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