Wirtschaft : Wettlauf gegen die Bedeutungslosigkeit

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Henrik Mortsiefer

Börsen leben von der Aufmerksamkeit der Anleger. Je größer der Finanzplatz und die Zahl der gehandelten Aktien, desto größer die Zahl der angeschlossenen Broker, Banken und Investoren. Sind Angebot und Nachfrage nach Wertpapieren groß genug, können die Gebühren sinken, faire Preise ermittelt werden und aussagekräftige Kurse zustande kommen. Davon profitieren nicht nur die Anleger, sondern auch die Betreiber des Handelsplatzes. Die Deutsche Börse AG zeigt das mit einem Rekordergebnis in Frankfurt.

Die Stärke des einen bedeutet die Schwäche des anderen Finanzplatzes. Es passt deshalb ins Bild, dass die Börse in Berlin demnächst weiter an Bedeutung verlieren wird, wenn die Nasdaq Deutschland ihren Betrieb einstellt. Weil zu wenige Anleger ihre Orders über den Nischenmarkt abgewickelt haben, geben die Betreiber auf. Betriebswirtschaftlich vernünftig, ist der Entschluss zugleich eine Blamage für den Vorstand der Regionalbörse. Nach dem gescheiterten Versuch, mit Onlinebrokern eine Plattform für private Anleger zu schaffen, hat sich wieder eine große Hoffnung in Berlin nicht erfüllt. Wie auch? Mehr als 98 Prozent des Handels mit deutschen Aktien laufen über Frankfurt. Bei ausländischen Papieren – für die sich Berlin als Spezialist profilieren wollte – sind es mehr als 80 Prozent. Dagegen anzukommen, ist schwer. Das Aus für die deutsche Nasdaq legt den Schluss nahe, dass es unmöglich ist.

Wie schwer es die Kleinen haben, zeigen erst recht die internationalen Größenverhältnisse: Die Frankfurter Börse ist – gemessen an den Umsätzen und der Marktkapitalisierung – neun Mal kleiner als die Wall Street und nur halb so groß wie London. Ein Marktanteil für die deutschen Regionalbörsen lässt sich in diesem Ranking nicht mehr ermitteln. Auf diesem Parkett ist der Wettlauf gegen die Bedeutungslosigkeit schon verloren.

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