Wirtschaft : Widerstand gegen die Sparpläne des Vorstandes

chi

Mit einer Protestkundgebung am Berliner Ostbahnhof am Dienstag haben die Beschäftigten der Deutschen Bahn ihren Widerstand gegen die Sparpläne des Vorstandes verstärkt. Kundgebungen sollen nun täglich bis zum Spitzengespräch über das Beschäftigungsbündnis bei der Bahn am 24. März in verschiedenen Städten stattfinden. Dies sei lediglich die "unterste Eskalationsstufe", Störungen im Bahnverkehr werde es dadurch nicht geben, hieß es bei der Gewerkschaft der Eisenbahner (GdED). Sollte der Vorstand aber an seinen Plänen festhalten, "werden wir uns nicht scheuen, den Protest zu verstärken", sagte der GdED-Vorsitzende Norbert Hansen in Berlin.

Bahnvorstand Hartmut Mehdorn hat damit gedroht, das bis zum Jahr 2002 befristete Beschäftigungsbündnis wegen der wirtschaftlichen Schieflage der Bahn aufzukündigen, sollten die Gewerkschaften nicht zu weitreichenden Zugeständnissen bereit sein. 1999 hat die Bahn erstmals wieder einen Verlust von 170 Millionen Mark eingefahren. Bis zum Jahr 2004 will der Vorstand nun im Personalbereich gut drei Milliarden Mark einsparen. Neben Kürzungen bei Fahr- und Schalterdiensten fordert er Nullrunden, Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich und die Streichung von Erschwerniszulagen. Sollten die Gewerkschaften dem nicht zustimmen, müßten rund 70 000 der 250 000 Stellen gestrichen werden, davon 35 000 durch Kündigung. Gewerkschaftschef Hansen sprach von einem "Horrorkatalog". Die Arbeitnehmer seien bereit, einen Beitrag zur Sanierung zu leisten. Dies dürfe aber keine Einbahnstraße sein. Er warf dem Vorstand zudem vor, die Weichen falsch zu stellen. Das Ziel, die Bahn bis 2004 börsenfähig zu machen, führe "zwangsläufig zu einer Schrumpfbahn".

In einer Reaktion auf die Proteste sagte Mehdorn am Dienstag, der Vorstand sei weiterhin zu einem "konstruktiven Dialog" über Sanierungsmaßnahmen bereit. Doch dürfe es dabei "keine Tabus" geben. Die Bahn müsse kapitalmarktfähig werden, um auch in den nächsten Jahren "kraftvoll in ihre Zukunft investieren zu können".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben