Wirtschaft : Widerstand gegen Mehdorn bei der Bahn-Tochter Schenker

Bernd Hops

Berlin - Die neue Aufteilung der Logistiksparte der Deutschen Bahn ist seit Monaten beschlossene Sache. Aber in der Führung von Schenker, der größten Logistiktochter der Bahn, gärt es. In einem Schreiben an Managementkollegen und den zuständigen Bahnvorstand Norbert Bensel warnt der Schenker-Deutschland- Chef Hans-Jörg Hager davor, Schenker werde aufs Spiel gesetzt. Am heutigen Dienstag soll die Diskussion grundsätzlich geklärt werden, hieß es nun bei der Bahn.

Hintergrund ist, dass Bahn-Chef Hartmut Mehdorn die Tochter Schenker stärker anbinden will. Die Spedition – mittlerweile der mit Abstand größte Umsatzbringer des Konzerns – hatte die Bahn zusammen mit der Stinnes AG 2002 übernommen. Unter einem Dach waren See- und Luftfracht, Landverkehr und die so genannte Kontraktlogistik, bei der für Kunden Servicepakete inklusive Lagerhaltung und Transport ausgearbeitet werden, vereinigt. Der Chef der Schenker AG vertrat alle drei gegenüber der Bahnspitze. Jetzt sollen alle drei Bereiche selbstständig geführt und direkt an den Bahnvorstand angebunden werden, denn seit der Stinnes-Übernahme ist das Geschäft weitergewachsen. Ende 2005 wurde dann noch der US-Logistikkonzern Bax übernommen, der jetzt in das bestehende Schenker-Geschäft integriert wird. Schenker-Manager Hager hat großes Gewicht innerhalb des Konzerns. Er leitet nicht nur das Deutschlandgeschäft, sondern sitzt auch im „Division Board“, dem obersten Gremium, das unter Vorsitz von Vorstand Bensel das Logistikgeschäft der Bahn von Berlin aus führt. Hager befürchtet, dass das Geschäft unter der stärkeren Zergliederung Schenkers leiden werde, weil Verbindungen zwischen den Bereichen gekappt würden.

Von einer Meuterei, von der die „Financial Times Deutschland“ am Montag berichtete, will man bei der Bahn aber nichts wissen. Ein Sprecher sagte dem Tagesspiegel: „Die Sorgen sind echt. Aber die Veränderungen sind seit Anfang des Jahres bekannt.“ Zudem sei das Schreiben Hagers bereits drei Wochen alt. In der Zwischenzeit habe es Vorstandsklausuren gegeben, auf denen auch über Klammern zwischen den Geschäftsbereichen gesprochen worden sei, sagte der Bahnsprecher. Aus Bahnkreisen erfuhr der Tagesspiegel, dass die Stimmung bei Schenker aber durchaus konfliktgeladen ist.

Ob die neue Strategie Erfolg haben werde, könne man erst in ein, zwei Jahren sehen, erklärte nun der Bahnsprecher. Doch gebe es keine wirkliche Alternative. Die Geschäftsteile seien so stark gewachsen, dass sie ohne eine Aufteilung „nicht mehr steuerbar“ seien.

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