Wirtschaft : Widerstand gegen neues Arznei-Sparpaket

Novartis-Deutschland-Chef Gabriel ist zu pauschaler Preissenkung nicht bereit

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Berlin (pet). In der Pharmaindustrie kündigt sich heftiger Widerstand gegen das von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) geplante MilliardenSparpaket bei Arzneimitteln an. „Ich bin nicht zu einer pauschalen Preissenkung bereit“, sagte Silvio C. Gabriel, der Vorstandsvorsitzende von Novartis Deutschland, am Freitag dem Tagesspiegel. „Das ist der falsche Weg.“

Die Krankenkassen erwarten in diesem Jahr ein Defizit von 1,5 Milliarden Euro. Ein Grund für die ständig wachsenden Ausgaben sind die steigenden Medikamentenkosten. In der vergangenen Legislaturperiode war es der Gesundheitsministerin nicht gelungen, diese Kosten zu begrenzen. Eine angedrohte pauschale Preissenkung hat die Pharmaindustrie mit einer Einmalzahlung von 200 Millionen Euro abgewendet.

Kritiker argumentieren, dass die Kostenlawine vor allem auf neue, teure Medikamente zurückzuführen ist, die zwar keinen erkennbaren Zusatznutzen haben, aber trotzdem verschrieben werden. Die Gesundheitsministerin will darum unter anderem eine Zusatzprüfung („vierte Hürde“) bei der Zulassung einführen, um neue Medikamente auf Effizienz zu testen. Rot-Grün will im gesamten Gesundheitssystem zwei bis drei Milliarden Euro sparen, diskutiert aber noch über die konkreten Maßnahmen.

Novartis-Deutschland-Chef Gabriel verteidigte die hohen Arzneikosten. „Wir brauchen die Preise, um die Forschung für neue Medikamente zu bezahlen“, sagte der Chef des nach Umsatz zweitgrößten Pharmaunternehmens in Deutschland. Der Gesamtkonzern hat 2001 sieben Milliarden Schweizer Franken verdient, bei einem Gesamtumsatz von 32 Milliarden Franken. Von einer zusätzlichen Hürde für die Arzneizulassung hält Gabriel nichts. „Ich glaube nicht, dass wir ein neues Gremium brauchen.“

Um die Kosten im Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen, schlägt er stattdessen mehr Wettbewerb und eine stärkere Eigenbeteiligung der Patienten vor. „Man muss überlegen, ob es richtig ist, dass alles durch das Kollektiv bezahlt wird, oder ob es nicht besser wäre, den Patienten an den Kosten zu beteiligen – sofern er das finanziell verkraften kann“, sagte Gabriel. Das würde eine Abkehr vom solidarisch finanzierten Gesundheitssystem bedeuten.

Zu den Chancen für eine große Gesundheitsreform noch in dieser Legislaturperiode sagte der Novartis-Chef. „Ich weiß es nicht.“ Aber er wünsche sich, „dass wir nicht nur am System herumflicken und nur auf die Medikamentenpreise schauen, sondern eine umfassende, sektorenübergreifende Lösung suchen – und hoffentlich auch realisieren.“

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