Wirtschaft : Wie die Banken in Euroland munter weiter kassieren

DER ROPP HB

DÜSSELDORF .Mit Einsparungen in Milliardenhöhe können Urlauber rechnen, wenn der Euro kommt und sie keine Devisen mehr umtauschen müssen.So lauten die Schätzungen der Kreditinstitute.Gute Aussichten also für Bargeldbesitzer.Dagegen werden Inhaber von Plastikgeld von der neuen Währung vorerst kaum profitieren.Deutsche Banken und Sparkassen wollen die beim Einsatz der Kreditkarten im Ausland anfallende Gebühr, die zwischen einem und zwei Prozent vom Umsatz beträgt, beibehalten.

Über 14 Mill.Kreditkarten befinden sich in deutschen Brieftaschen, wobei das Eurocard-Symbol mit gut acht Mill.Karten dominiert, gefolgt von Visa mit etwa fünf Mill.Karten.Hinzu kommen 60 Mill.Euroscheck- und Bankkarten, mit denen ebenfalls im Ausland bezahlt werden kann."Das deutsche Kreditgewerbe hat sich darauf verständigt, die Gebühren für den Auslandsumsatz bei der Eurocard nach der Euroeinführung beizubehalten", sagt Jan A.M.Hendrikx, Chef der Eurokartensysteme, einer Gesellschaft, die für das Marketing der Eurocard zuständig ist.Dieses Entgelt, so Hendrikx, sei keine Umtauschgebühr, sondern ersetze den kartenausgebenden Banken die mit dem Auslandseinsatz verbundenen höheren Kosten.Das sind die Vorhaltung der Zahlungsverkehrsnetze und höhere Ausgaben für die Mißbrauchsbekämpfung.

Die Hartnäckigkeit der Geldinstitute bei der Verteidigung dieser Zusatzeinnahmen ist verständlich.Immerhin geht es bei Eurocard und Visa um schätzungsweise jeweils 120 Mill.DM pro Jahr.Zudem befinden sich Banken und Sparkassen seit einem überraschenden Grundsatzurteil des BGH aus 1997 in einer komfortablen Situation.Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Kartenemittenten, die Entgelte für Auslandsumsatz bei Kreditkarten vorsehen, sind danach zulässig.Zwei Vorinstanzen hatten anders entschieden.

Ganz so einheitlich scheint die Linie unter den deutschen Kartenanbietern doch nicht zu sein."Wir haben noch keine Entscheidung getroffen", lauten die Kommentare bei Commerzbank, Bankgesellschaft Berlin und Barclaycard.Auch Diners Club denkt noch nach.Bei der Deutschen Bank hingegen heißt es, aus heutiger Sicht wolle man an der Zusatzgebühr festhalten.

In der Vergangenheit sind die Karteninhaber mit den Auslandsgebühren im Vergleich zum Geldwechseln am Schalter gar nicht so schlecht gefahren.Denn abgerechnet wird der Kartenumsatz zum günstigen Devisenbriefkurs.Insgesamt war es also trotz der Auslandsgebühr zumeist günstiger, mit der Karte einzukaufen, anstatt Bargeld zu wechseln.Doch dieser Vorteil fällt nun weg, wenn die neue Währung kommt."Für die Bankkunden in einem einheitlichen Währungsraum ist es völlig unverständlich, wenn die Kosten für den Karteneinsatz in voller Höhe bestehen bleiben", sagt Verbraucherschützer Manfred Westphal.

Auf 0,3 bis 0,4 Prozent vom Umsatz beziffert die Bankgesellschaft Berlin die Wechselkurskosten."Wir berechnen derzeit 1,6 Prozent.Davon werden wir auf Dauer runter kommen müssen", heißt es in der Bankgesellschaft."Mit einem Prozent liegen wir am unteren Ende des Marktes mit unseren Gebühren bei extrem günstigen Umrechnungskursen", betont Götz Lachmann von American Express.

Der Vertreter der Kartenorganisation Europay (Eurocard, EC-System und Maestro) in Deutschland, Manfred Michalek, geht davon aus, daß langfristig die Umrechnungsgebühr nach der Einführung des Euros als Bargeld ab dem Jahr 2002 entfallen müsse.Da die Leistungen der Kartenemittenten nicht nur in der Umrechnung bestünden, sondern in der kompletten Abwicklung grenzüberschreitender Transaktionen, wäre eine Gebühr für die Nutzung fremder Netze oder je nach Entfernung denkbar.

Patrick W.Diemer von Visa International in Deutschland kann sich vorstellen, daß die Auslandsgebühren künftig etwas sinken."Die meisten Visa-Banken berechnen schon heute keine Währungsumrechnungsgebühr mehr", beteuert der Kartenfachmann.

Wie auch immer die Zusatzkosten beim Karteneinsatz im Ausland bezeichnet werden: Fest steht, daß der Euro an diesem Gebührenkartell der deutschen Kreditwirtschaft so schnell nichts ändern wird.Manche Experten rechnen allerdings damit, daß einzelne Institute vorpreschen und mit kostenlosem Karteneinsatz in Euroland werben.NINA VON

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