Wirtschaft : Wie die Deutsche Bank 24 ihre neuen Wege bahnen will - Filialen und Direktbank unter einem Dach

Rolf Obertreis

Rund 6,8 Millionen Kunden der Deutschen Bank und ihrer Direkt-Bank-Tochter Bank 24 werden sich ab 1. September eine neue Bankleitzahl merken müssen. Ungefragt sind sie dann Kunden einer neuen Bank - der Deutschen Bank 24 AG. Wieder einmal geht das größte Geldhaus der Welt eigene Wege und bringt die deutsche Bankenlandschaft in Bewegung. Sie stellt das inländische Geschäft für den Privatkunden, für Selbständige, Freiberufler und kleinere Firmen (neudeutsch: "Retail-Banking") auf den Kopf - in der Hoffnung, endlich ansehnliche Gewinne zu erzielen. Das Retail-Banking ist seit Jahren das Sorgenkind der deutschen Geldhäuser: Die Kosten steigen, aber der erwünschte Gewinn bleibt aus. Auch bei den Direktbanken dauert es länger als erhofft, bis schwarze Zahlen geschrieben werden können. Neben dem Tritt auf die Kostenbremse bleibt nur der Weg über Kundenmasse, um die erforderliche Basis für Gewinne zu erreichen.

Commerzbank und HypoVereinsbank setzen trotzdem weiter auf Direktbanken. Sie wollen ihre Tochter-Unternehmen eigenständig lassen und im nächsten Jahr an die Börse bringen. Deutsche Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer aber ist von seinem Ansatz überzeugt. "Erstmals entsteht unter dem Namen Deutsche Bank 24 ein neues Institut, das exzellente Produkte und kompetente Beratung mit der freien Wahl der Zugangswege kombiniert." Erstmalig in Deutschland verfügten die Kunden damit über die Vorzüge eines flächendeckenden Filialnetzes und gleichzeitig über den jederzeitigen Zugang zu einer Direktbank. Die Kunden können ihre neue Bank damit 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche nutzen. Es wird ein ansehnliches Geldhaus: 1450 Filialen und 250 Finanz Center in Deutschland, 18 000 Mitarbeiter und 6,8 Millionen Privat- und Geschäftskunden, davon rund 430 000 von der Bank 24. Sie betreibt zur Zeit mit rund 820 Mitarbeitern ein Call-Center in Bonn, am 1. September kommt ein weiteres in Berlin dazu, in dem bald 500 Beschäftigte arbeiten sollen.

Ein neues Logo mit blauer Farbe und der Schriftmarke Deutsche Bank ergänzt um eine rote "24" soll zu einem neuen Markenzeichen werden. Als "erste Wahl als universeller Vertrauensdienstleister" wolle man sich positionieren, sagt Herbert Walter, künftig Vorstandssprecher der Deutschen Bank 24. Entgegen den Erwartungen sind die Bankkunden in Deutschland so schnell nicht vom Directbanking per Telefon und Computer zu überzeugen. 15 bis 20 Prozent sollen dazu bereit sein. "Wir hatten gedacht, dass aus dieser Zahl schnell ein höherer Prozentsatz wird. Das aber zeichnet sich so nicht ab", räumt Deutsche Bank-Vorstandsmitglied Tessen von Heydebreck ein. Nicht umsonst hat die Bank 24 im vergangenen Jahr noch gut 68 Mill. DM Verlust eingefahren, erst im nächsten Jahr waren Gewinne geplant. 60 Prozent der Kunden wollten die Filiale und zusätzlich das Directbanking. Das wird ihnen jetzt mit der Deutschen Bank 24 geboten, der ersten "Multikanalbank".

Die Deutsche Bank schielt damit auch auf die Kunden anderer Institute. Weil das Massegeschäft wegen der hohen Kosten wenig Profit abwirft, öffnet sie ihre neue Tochter für andere Finanzdienstleister. Die könnten sich über Beteiligungen oder Kooperationen "andocken". Damit könne, so Breuer, für alle Beteiligten interessantes Synergiepotential realisiert werden. Er hat dabei vor allem kleinere Banken im Auge. Mit der Bankgesellschaft Berlin ist man schon einig geworden. Sie schließt elf Filialen unter anderem in Brandenburg, Frankfurt (Oder) und Dresden. Den betroffenen 18 000 Kunden wird jetzt angeboten, zur Deutschen Bank 24 zu wechseln. "Wir sind zuversichtlich, dass in den nächsten Jahren weitere - auch größere - folgen werden", sagt von Heydebreck. In vier bis acht Jahren will die Deutsche Bank 24 zehn Millionen Kunden betreuen.

Analysten halten den Ansatz für eine "vernünftige Sache", wie etwa Volker von Krüchten von der BHF Bank. Aber es gebe Risiken: Die Kunden könnten ja die teure Beratung der Bank nutzen und bei den Transaktionen den billigen Weg über das Directbanking wählen. Michael Klein vom Bankhaus Oppenheim spricht von einem interessanten Kunstgriff. "Geburtsfehler" sieht allerdings Uwe Foullong von der Gewerkschaft Handel, Banken, Versicherungen (HBV). Die Deutsche Bank 24 ist zwar Mitglied im Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes. Weil es im Tarifvertrag immer noch keine Regelungen für Samstagsarbeit gibt und Sonntagsarbeit nur durch Einzelgenehmigung der Länder möglich ist, werden die Call-Center-Mitarbeiter von einer eigenständigen Gesellschaft beschäftigt, die dem Arbeitgeberverband nicht angehört. Für die Mitarbeiter gilt die 40-Stunden-Woche, sie verdienen etwa 30 Prozent weniger als ihre Kollegen. Auch das ist neu an der Deutschen Bank 24.

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