WIE DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT PROFITIERT : „Wir schauen uns das genau an“

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Wintershall-Mitarbeiter.

Zu den Interessenten für eine Konzession zur Erdölförderung im Irak gehört auch ein deutsches Unternehmen: Wintershall aus Kassel. Nach eigenen Angaben ist Wintershall der größte deutsche Erdöl- und Erdgasproduzent. Das Unternehmen sei zusammen mit rund 40 anderen aus einer Gruppe von rund 120 Firmen vom irakischen Staat qualifiziert worden, an dem Bietverfahren für Lizenzen teilzunehmen. Die BASF-Tochter habe sich aber entschieden, „aus strategischen Gründen für die in einer ersten Runde angebotenen Lizenzen nicht zu bieten“, sagte ein Firmensprecher. „Wintershall wird die weiteren Bietrunden aufmerksam verfolgen und Möglichkeiten für eine Beteiligung sorgfältig prüfen.“

Wettbewerber RWE Dea, bisher im Wesentlichen in Nordafrika tätig, hat sich nicht beworben. „Wir schließen es für die Zukunft aber nicht aus, uns im Irak vor allem an Gasprojekten zu beteiligen“, sagte eine Firmensprecherin.

Aber auch wenn kein deutsches Förderunternehmen im Irak zum Zuge kommen sollte, so haben die Dienstleistungsunternehmen der Branche – Geologen, Betreiber von Plattformen und Hersteller von Bohranlagen – dennoch Chancen, Aufträge im Irak zu bekommen. „Es ist ganz klar: Wenn Aufträge im Irak vergeben werden, dann kann natürlich auch die deutsche Serviceindustrie davon profitieren, selbst dann, wenn ausländische Unternehmen zum Zuge kommen“, sagte Ralf Dreyer vom Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung.

Die Firma Bentec in Bad Bentheim etwa hofft auf Aufträge. Bentec baut Bohranlagen, hat 450 Mitarbeiter und Niederlassungen in Russland, Zentralasien und im Mittleren Osten. „Wir haben noch keine Aufträge für den Irak“, sagte Geschäftsführer Norbert Gebbeken dem Tagesspiegel. „Aber wir sind in mehreren Projekten involviert.“ Das Unternehmen schaue sich den Prozess der Lizenzvergabe sehr genau an, denn derzeit würden andernorts nicht viele Aufträge vergeben. Sollte eine Bohranlage für den Irak bestellt werden, so würde die Auslieferung möglicherweise über ein Tochterunternehmen in Oman laufen. Dort würde die Anlage zusammengestellt, zur Probe einmal aufgebaut und anschließend dann ausgeliefert. Allerdings sei es wohl unvermeidlich, später auch einige Mitarbeiter in den Irak zu schicken, sagte Gebbeken. vis

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