Wirtschaft : Wie die Hersteller mogeln Was hinter Aromen und Verstärkern steckt

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Rund 10 000 Lebensmittel gibt es in einem durchschnittlichen Supermarkt zu kaufen. Die meisten dieser Produkte werden industriell hergestellt: Aromen geben ihnen Geschmack, weitere Zusatzstoffe sorgen für ihre Haltbarkeit und ihr perfektes Aussehen.

Wer sich im Supermarkt fragt, was alles in einem Produkt steckt, wirft als erstes einen Blick auf das Etikett. Doch was dort steht, kann den Verbraucher leicht in die Irre führen. Findet er auf einer Packung Vanillejoghurt zum Beispiel den Hinweis auf „natürliches Aroma“, heißt das nicht, dass dort echte Vanille drinsteckt. „Natürliches Aroma“ bedeutet nur, dass es aus pflanzlichen oder tierischen Stoffen gewonnen wurde. Im Fall des Vanillejoghurts kann das beispielsweise auch Baumrinde sein. Nur wenn auf der Verpackung von „natürlichem Vanillearoma“ die Rede ist, stammt das Aroma wirklich aus der Vanilleschote.

Schädlich sind diese Aromen in der Regel nicht. Jedoch ist bedenklich, „dass wir durch die Aromen verlernen, wie etwas wirklich schmeckt“, sagt Britta Klein vom aid-Infodienst für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Wir erlebten derzeit eine richtige „Verarmung der Geschmackskultur“, warnt Klein.

Weil sich immer mehr Verbraucher natürliche Produkte wünschen, geht die Tendenz bei den Unternehmen zum „Clean Label“, also zum sauberen Etikett. So werben zum Beispiel immer mehr Firmen damit, dass ihre Produkte „ohne Geschmacksverstärker“ hergestellt wurden. Doch leider stimmt das nicht immer. Eine Untersuchung der Verbraucherzentralen von 151 Etiketten zeigt: 92 Prozent der Produkte, die das Label „ohne Geschmacksverstärker“ tragen, enthalten Zutaten wie Hefeextrakt. Das ist laut Lebensmittelgesetz zwar kein Geschmacksverstärker und muss daher nicht als solcher ausgewiesen werden – allerdings enthält Hefeextrakt Glutamat und wirkt daher sehr wohl geschmacksverstärkend.

Auch wenn die Hersteller mit dem Label „ohne Konservierungsstoffe“ werben, kann das in die Irre führen, warnen die Verbraucherzentralen. Konservierungsstoffe verlängern die Haltbarkeit der Produkte – dieser Effekt kann zum Beispiel auch durch Essig oder Senfsaat erzielt werden. Weil das aber keine Zusatzstoffe sind, muss der Hersteller auf ihre konservierende Wirkung nicht hinweisen.

Wer wissen will, was genau in einem Produkt enthalten sein sollte, kann das im Deutschen Lebensmittelbuch nachlesen. Es enthält Leitsätze zu Herstellung und Beschaffenheit der Lebensmittel und wird ständig überarbeitet. Lebensmittelexperten raten aber dazu, sich selbst an den Herd zu stellen. „Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte viel frisch zubereiten“, empfiehlt Britta Klein vom aid-Infodienst. So wisse man am ehesten, was man esse. Carla Neuhaus

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