Wirtschaft : Wie die Telekom die Konkurrenz schröpft

BONN (aho).Manchmal verbergen sich die spannendsten Geschichten hinter drögen Worten.Wie zum Beispiel hinter dem Begriff "atypische Verkehrsströme", zu dem die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post am Mittwoch eine Anhörung in Bonn abgehalten hat.Konkret geht es ums Geld: Die Deutsche Telekom möchte einen Zuschlag zu den "Interconnection-Gebühren".Diese Gebühren müssen die Branchen-Newcomer zahlen, wenn sie ihr Netz mit dem Netz des Ex-Monopolisten zusammenschalten.Derzeit kostet das durchschnittlich 2,7 Pfennig pro Gesprächsminute; geht es nach der Telekom, könnte der Preis zwischen 3 und 4 Pfennig liegen.

Ron Sommers Juristen behaupten nun, daß der Wettbewerb dem Unternehmen zusätzliche Kosten und Investitionen aufbürdet - durch den "atypischen Verkehr".Angenommen, ein Kunde will von Koblenz nach Trier telefonieren und benutzt dazu einen Newcomer.Das Gespräch wird dann über entsprechende Netzzusammenschaltungspunkte umgeleitet.Dafür aber mußte die Telekom neue Kapazitäten aufbauen, für die, so die Telekom, die Wettbewerber bezahlen sollen - allerdings nicht alle.Nur jene Konkurrenten sollen den Zuschlag tragen, die bis Mai vergangenen Jahres entsprechende Verträge unterschrieben haben, argumentiert die Telekom.Später seien die Umweg-Verbindungen kaum noch entstanden, weil die Newcomer ihre Netze erweitert hätten.

Das ungefähr war die Ausgangslage, als am Mittwoch vormittag gut 150 Juristen von über 50 privaten Telefonfirmen in den großen Saal der Regulierungsbehörde drängten.Gleich zu Anfang sagte Jarl Knobloch, der Vorsitzende der zuständigen Beschlußkammer, eindeutig: "Eine rückwirkende Genehmigung erteilen wir nicht." Damit könnte die Telekom die Zuschläge nur für die Zeit von März 1999 bis zum Jahresende verlangen.Von 2000 an gelten ohnehin neue Interconnection-Gebühren.Doch ob die Telekom den Nachschlag wirklich erhält, scheint fraglich.Während der mehrstündigen Anhörung kritisierten die Wettbewerber nahezu einhellig ihren Antrag.So seien die Angaben über Investitionen und Kosten unzureichend und viel zu pauschal."Der gesamte Kostenansatz ist doch fiktiv", sagte ein Jurist.Der "atypische" Verkehr sei vielfach eher typisch, und die Telekom verstecke ihre "schwache Argumentation" hinter "substanzlosen Floskeln", meinte ein anderer.Außerdem könne die Telekom ungenutzte Leitungen anders einsetzen, schließlich wachse der Markt.Das sahen die Telekom-Juristen nicht so.Die Kapazitäten ließen sich nicht einfach umwandeln, außerdem müßten Telefongespräche möglichst nah beim Verbraucher abgeholt werden.Manche Experten witterten in dem Gebührenplan ein ganz anderes Ziel.Die Telekom wolle die Anbieter zum Ausbau ihrer Netze zwingen, möglichst nach ihren Vorgaben.So könnte sie dem Markt den Takt vorgeben - und weiterhin dominieren.Der "atypische Verkehr" ist schon eine spannende Geschichte.Am 25.Mai will die Behörde ihre Entscheidung verkünden.

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