Wirtschaft : Wie er uns gefällt

Die Debatte um Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann illustriert, wie wenig die Deutschen ihre Wirtschaftsbosse lieben

Moritz Döbler

Berlin – Josef Ackermann ist in diesen Tagen der Buhmann der Nation. „Oh, wärst du doch in der Schweiz geblieben, du Unwertschöpfer,“ derbleckt SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler. „Eine Geschmacklosigkeit, eine Unfähigkeit“, richtet CSU-Chef Edmund Stoiber über Ackermanns Plan, trotz Milliardengewinns 6400 Banker zu entlassen. Und Kanzler Gerhard Schröder empfiehlt dem Bank-Vorstand, sich Alfred Herrhausen zum Vorbild zu nehmen. Der frühere Deutsche-Bank-Chef habe stets auch das Wohl des Landes und der Beschäftigten im Blick gehabt. „Idole gibt es in der Wirtschaft nicht mehr“, sagt Meinungsforscher Manfred Güllner, Chef des Forsa-Instituts. „Es hat sich ja durchgesetzt, dass es nicht mehr um soziale Verantwortung, sondern um Gewinnmaximierung geht.“ Vielleicht findet sich deswegen kein Wirtschaftsboss auf der Liste der 100 beliebtesten Deutschen. Als beliebtesten Deutschen ermittelte die „Frau im Spiegel“ in einer Umfrage Günther Jauch. Es folgen Steffi Graf, Thomas Gottschalk und Rudi Völler.

Wer bei den Schöpfern der Liste nachfragt, erfährt, dass sich unter den 500 Namen, die zur Wahl standen, nur zwei Manager etwas nach oben bewegten: Linde-Chef Wolfgang Reitzle, der Ehemann von Nina Ruge, sowie Manfred Schneider, Aufsichtsrat diverser Konzerne und Freund von Sabine Christiansen. Jede Woche soll sie rote Rosen von ihm bekommen. Jeden Tag einen Anruf. Nun gut. Show Business läuft eben besser als nur Business. Eine Erklärung liegt in den schlechten Nachrichten, die Manager trotz der etwas besseren Zeiten immer noch verkünden. Gewinneinbruch bei Mercedes, Stellenabbau bei der Telekom, Insolvenz bei Walter Bau. Die Opel-Werker in Bochum (West) mussten hören, dass sie nur dann ihre Jobs behalten, wenn sie bald so wenig verdienen wie ihre Kollegen in Eisenach (Ost) – das ist die Lohnangleichung der Zukunft.

Zudem vermarkten Manager nicht ihre Person, sondern das Produkt – jeder kennt Coca-Cola und Aspirin, aber wer kennt schon Neville Isdell, den Coca-Cola-Chef oder Werner Wenning, den Lenker des Bayer-Konzerns? Auch ist die Wirtschaftswunderzeit der Patriarchen vorbei. Die großen Konzerne sind – von Ausnahmen wie C&A abgesehen – Aktiengesellschaften, die nicht dynastisch geführt werden können. Shareholder Value statt billiger Wohnungen von Alfred Krupp. Der Sinn von AGs ist nicht, Gutes für alle zu tun, sondern für ihre Eigentümer, die Aktionäre.

Die Öffentlichkeit will nicht verstehen, warum die Deutsche Bank sparen muss. In allen Umfragen gibt es eine große Mehrheit gegen Ackermanns Pläne. Aber dass der Schweizer so verdammt wird, hat wenig mit den betroffenen Arbeitsplätzen zu tun. Es geht um die Figur Ackermann – „das hängt mit dem Mannesmann-Prozess, seiner arroganten Haltung, seinem Gehalt zusammen“, sagt Forsa-Chef Güllner. Die Debatte um die Deutsche Bank werde nicht neutral wahrgenommen, sondern „emotional negativ“. So verkündete Siemens vor gut zwei Wochen ebenfalls Rekordgewinne, die geplanten Stellenstreichungen, die eine ähnliche Größenordnung wie die bei der Deutschen Bank haben, wurden am Tag darauf nachgereicht – und es gab keinen größeren Protest.

Aber, um mit Franz Josef Strauß zu sprechen: „Everybody’s darling is everybody’s Arschloch.“ Der Tagesspiegel hat Arbeitgeber, Politiker, Gewerkschafter, Mitarbeiter und Aktionäre befragt, wie er denn sein sollte – der ideale Manager.

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