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Wie es mit Schlecker weiter geht : Zweifel an Investor Dubag

Schlecker ist Geschichte, aber die Töchter der Drogeriekette sollen weiterlaufen. Aber der Verkauf von Ihr Platz und Schlecker XL zieht sich hin - denn jetzt wachsen auch noch Zweifel am Investor. Wie solvent ist die Dubag?

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Noch offen? Die rund 500 Ihr-Platz-Märkte in Deutschland sollen weiter betrieben werden. Schlecker hatte das Drogerieunternehmen 2007 gekauft.
Noch offen? Die rund 500 Ihr-Platz-Märkte in Deutschland sollen weiter betrieben werden. Schlecker hatte das Drogerieunternehmen...Foto: dpa

Die  knapp 4000 Beschäftigten der insolventen Schlecker-Tochter Ihr Platz müssen weiter um ihre Zukunft bangen. Die Verhandlungen um den Verkauf der 490 Filialen der Drogeriekette an die Deutsche Unternehmensbeteiligungen AG (Dubag) dauerten am Freitag weiter an. Ihr-Platz-Insolvenzverwalter Werner Schneider und Vertreter des Kreditversicherers Euler Hermes, der Hauptgläubiger von Schlecker ist, hatten sich im Tagesverlauf noch nicht mit Dubag-Geschäftsführer Michael Schumann einigen können. Die Münchner Firma will neben Ihr Platz auch die 342 Schlecker-XL-Märkte mit gut 1100 Beschäftigen übernehmen. Nach Tagesspiegel-Recherchen weist die letzte, veröffentlichte Bilanz des Investors jedoch Verluste aus.

Bereits im Vorfeld der Sitzung am Freitag hatte es Schwierigkeiten gegeben. Obwohl Schlecker am Montag bereits die Übernahme der Töchter durch die Dubag vermeldet hatte, einigten sich die Gläubiger von Ihr Platz am Mittwoch zunächst nur auf die Fortführung des Geschäfts im Rahmen einer Planinsolvenz. Zu der Zeit lag bereits ein Entwurf für einen Kaufvertrag mit der Dubag vor, dem Euler Hermes zunächst nicht zustimmte – wegen vieler offener Fragen. Dem Versicherer, der Lieferungen an Schlecker und seine Tochterfirmen versichert hatte, schuldet Schlecker noch 300 Millionen Euro. „Es fehlen noch Informationen seitens des Investors, wie die Finanzierung gesichert werden soll“, hatte ein Sprecher von Euler Hermes bereits Mitte der Woche den Aufschub begründet.

Recherchen des Tagesspiegels zufolge weist die Dubag in ihrem Jahresabschluss für 2010 einen Bilanzverlust von 761 229 Euro aus. Hinzu kommen aber weitere Forderungen in Höhe von 1,47 Millionen Euro durch die Erste DMI Beteiligunggesellschaft mbH. Allerdings sind die Forderungen noch bis Ende 2014 auf Eis gelegt. Eine Überschuldung nach der Insolvenzordnung liege nicht vor, „da ein Rangrücktritt der Ersten DMI Beteiligungsgesellschaft mbH (DMI) in entsprechender Höhe vorliegt“, heißt es im Jahresabschluss.

Experten sehen das aber kritisch. „Angesichts des negativen Eigenkapitals in beträchtlicher Höhe und angesichts der Rückzahlung der stillen Einlage bis 2014 ergibt sich für die Solvenz der Dubag kein günstiger Eindruck“, sagte Professor Rolf Uwe Fülbier dem Tagesspiegel. Fülbier leitet den Lehrstuhl für Internationale Rechnungslegung an der Universität Bayreuth. „Insolvenzrechtliche Folgen ergeben sich hieraus aber nicht“, räumte der Experte jedoch ein. Aus dem Jahresabschluss sei zudem nicht ersichtlich, ob noch stille Reserven wie Grundstücke oder Vermögen der Dubag-Gesellschafter vorhanden seien.

Eine Stellungnahme von der Dubag zur finanziellen Lage des Unternehmens war am Freitag nicht zu erhalten. Michael Schumann hatte das Unternehmen 2009 gegründet, es versteht sich laut Eigendarstellung als eine unabhängige Beteiligungsgesellschaft, „die sich auf den Erwerb von Unternehmen in Sondersituationen spezialisiert hat“. Zu den Beteiligungen gehören der irische Henkel-Zulieferer International Detergent Chemicals und der Speichermedienhersteller BOD Berlin Optical Disc GmbH. Zuvor war Dubag beim Generikahersteller Sigam GmbH engagiert, der im März 2010 vom US-Pharmakonzern Perrigo Company gekauft worden war.

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