Wirtschaft : Wie finanziert man Opernhäuser?: Covent Garden hat viele Gönner

Uwe Friedrich

Pragmatisch ist das Verhältnis der königlichen Oper zu ihren Sponsoren schon immer gewesen. Denn Covent Garden (Foto: dpa) ist ein Privattheater, abgesichert durch einen "Endowment Fond", also beträchtliche Sicherheitsrücklagen. Dennoch könnte das Theater Bankrott machen, falls das Management über längere Zeit am Publikum vorbeiplant. Das Jahresbudget beträgt umgerechnet etwa 150 Millionen Mark. Die staatlichen Subventionen belaufen sich auf rund 60 Millionen Mark. Ebenfalls etwa 60 Millionen Mark erwirtschaftet das Haus aus Kartenverkäufen. Die restlichen 30 Millionen werden dem Opernhaus zum größten Teil von Sponsoren geschenkt, dazu kommen Einnahmen aus Senderechten und der Souvenirverkauf.

Seit der Wiedereröffnung im Dezember 1999 nach der Totalrenovierung gehören zu dem Komplex neben dem berühmten alten Theatersaal mit ungefähr 2200 Plätzen auch ein Studiotheater, zwei kleine Ballettbühnen sowie verschiedene Restaurants und Bars, die ebenfalls guten Umsatz machen. Während der Schließung wurden die Orchestergewerkschaften zur Neuverhandlung sämtlicher Verträge gezwungen und mussten dabei viele Privilegien abgeben. Die Eintrittspreise sind seit der Wiedereröffnung niedriger, weil selbst Zahnärzte und Rechtsanwälte die Preise nicht mehr bezahlen konnten.

Die teuerste Karte kostet seitdem 340 Mark (Wochenende: 270), der billigste Stehplatz zwölf Mark. Um die Eintrittspreise senken zu können, mussten mehr private Sponsoren gefunden werden. Dafür gibt es eine eigene Organisation. Für einen Obulus von bis zu 30 000 Mark pro Jahr bekommen Mitglieder einige Vorzugskarten und Einladungen zu Einführungsveranstaltungen. Mit diesem Zirkel eng verbunden sind die 203 000 "Freunde von Covent Garden", oft mit direktem Zugang zu den Entscheidungsträgern in der Londoner City, so dass der direkte Geldfluss garantiert ist. Ungefähr die Hälfte der 650 Millionen Mark Umbaukosten wurden von diesen Gönnern aufgebracht.Mit dem US-Großsponsor Alberto Vilar, der schon den Foyer-Neubau der Royal Opera finanzierte, wird derzeit über ein noch größeres Engagement in der Musikerziehung verhandelt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben