Wirtschaft : Wie finanziert man Opernhäuser?: Die Met braucht keinen Staat

Walter Pfaeffle

Peter Clark von der Metropolitan Opera (Foto: Ullstein), weiß zu schätzen, dass hier keine Kutursenatoren herumspringen, die mit dem Rotstift fuchteln. "Bei uns hat der Staat nichts dreinzureden", sagt Clark stolz. Hier liegt der große Unterschied zwischen den Kulturszenen hüben und drüben. Der Haushalt der 1883 gegründeten Metropolitan Opera wird fast ausschließlich mit privaten Mitteln finanziert: 40,9 Prozent steuerten 1999 Kassen- und Toureinnahmen bei und 41,2 Prozent flossen durch 225 000 private Einzelspenden in die Met-Kasse. Ein winziger Anteil - 0,25 Prozent - kommt aus den Fonds der Kulturabteilungen des Staates und der Stadt New York und der Bundesregierung und "andere" nicht näher identifizierte Einnahmen stellen den Rest dar.

Das war schon immer so. Mit dem einzigen Unterschied, dass der Anteil der Kasseneinnahmen am Budget in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen ist. Das Manko muss von privaten Geldgebern ausgeglichen werden. Der Haushalt von 193 Millionen Dollar im laufenden Fiskaljahr hat sich in zehn Jahren fast verdoppelt. "Das liegt nicht etwa daran, dass die Besucherzahlen zurückgehen, sondern an den steigenden Produktionskosten", sagt Clark. Die Kosten für eine Met-Produktion schwanken zwischen einer und zwei Millionen Dollar und Spitzenkünstler wie Placido Domingo kassieren für eine Aufführung 14 000 Dollar. In der laufenden Saison ist das Haus im Schnitt zu 93,4 Prozent ausgelastet. Die hohen Eintrittspreise zwischen 25 Dollar und 250 Dollar für Sitzplätze mit voller Sicht (Stehplätze kosten zwischen 12 und 16 Dollar) scheint niemanden abzuschrecken. "Im letzten Jahrzehnt hat die Met in keinem Jahr rote Zahlen geschrieben."

Auch Management und Künstler leben harmonisch zusammen, sagt Clark. "Seit den siebziger Jahre hat es keinen Streik mehr gegeben." Der Kulturexperte erklärt den gesunden Finanzzustand der Met zum großen Teil mit der robusten Gesamtwirtschaft. Seit 1966 ist die Met im Lincoln Center einquartiert. Der Komplex wurde in den fünfziger Jahren von der Lincoln Center Corporation finanziert, hinter der der verstorbene John D. Rockefeller Jr. stand.

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