Wirtschaft : Wie finanziert man Opernhäuser?: "Wer in der ersten Reihe sitzen will, soll ruhig mehr zahlen"

Herr Dussmann[Sie haben eine Million Mark üb]

Peter Dussmann ist Dienstleistungsunternehmer in Berlin und einer der Hauptsponsoren für die Staatsoper Unter den Linden.

Herr Dussmann, Sie haben eine Million Mark übrig. Was machen Sie jetzt damit?

Wie kommen Sie darauf, dass ich das Geld übrig habe?

Sie wollten drei Millionen Mark aufbringen, um Daniel Barenboim dazu zu bewegen, an der Staatsoper in Berlin zu bleiben, eine Million aus Ihrer Tasche. Nun stellt die Bundesregierung das Geld zur Verfügung.

Das heißt noch nicht, dass ich meine Zusage zurückziehe.

Die Lindenoper wird die Millionen also zusätzlich erhalten?

Natürlich.

Eine weitere Million soll durch die Erhöhung von Eintrittspreisen erwirtschaftet werden. Wird aus der Staatsoper ein Haus für vermögende Eliten?

Ganz und gar nicht. Wir haben errechnet, dass das Geld problemlos erwirtschaftet werden kann, wenn die Lindenoper ihre Eintrittspreise im Schnitt um fünf Prozent anhebt. Das ist doch nicht zu viel. Die Lindenoper ist ja nicht gezwungen, die Preise für alle Plätze linear anzuheben. Erfahrungsgemäß sind die vorderen Reihen in der Oper sehr begehrt und überdurchschnittlich nachgefragt. Wer dort Platz nehmen will, kann ruhig ein wenig mehr Geld für die Karte bezahlen.

Deutschland hat bisher kaum Tradition im Kultursponsoring. Wie soll es gelingen, die dritte Million einzuwerben?

Stimmt, Fundrasing ist hier zu Lande kein verbreitetes Thema. Leider. Die Deutschen erwarten ganz selbstverständlich, dass sich der Staat um all das kümmert, was mit Kultur zu tun hat. Das ist fatal. Der Staat ist mit den Ausgaben mehr und mehr überfordert. Private Sponsoren müssen ihre Verantwortung wahrnehmen. Es wird hart, eine Million Mark einzuwerben. Aber die ersten zehn Prozent sind schon da.

Fällt den Opernhäusern denn nicht mehr zur Sicherung ihrer Haushalte ein, als Sponsoren zu werben?

Der Ideenreichtum ist begrenzt.

Vielleicht bleiben die Geldbörsen der Deutschen deshalb verschlossen.

Gewiss, es gibt Möglichkeiten, solche Häuser wirtschaftlicher zu führen. Aber auch diese Einsparchancen sind begrenzt. Gut 85 Prozent der Budgets fließen in Löhne und Gehälter der Mitarbeiter, die allesamt im Öffentlichen Dienst angestellt sind. Jährliche Lohnerhöhungen, die Gehaltsstrukturen und viele andere arbeitsrechtliche Fragen sind unter diesen Voraussetzungen nur sehr schwer von den Opernhäusern in den Griff zu bekommen. Die Politik verschweigt das.

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