Wirtschaft : Wie IT-Unternehmen kooperieren

Gisela Hagemann

Der Kunde verlangt zunehmend Komplettlösungen aus einer Hand. Das Know-how von Existenzgründern beschränkt sich jedoch oft auf eine schmale Nische. Für ein kleines Unternehmen ist es schwer, größere Aufträge zu bekommen. Der Trend geht deshalb in Richtung virtuelle Unternehmen. Wenn sich mehrere kleine Unternehmen unter einem gemeinsamen Dach zusammenschließen, können sie nach außen hin als größere Einheit auftreten und sich nach innen auf ihre jeweiligen Kernkompetenzen konzentrieren.

Ein virtuelles Unternehmen, das vormacht, wie es geht, ist die IT-Solutions Network GmbH in Berlin. In einem Zeitraum von über einem Jahr trafen sich Unternehmensgründer und kleine Firmen aus den Bereichen Netzwerke, Software-Entwicklung, Telekommunikationsanlagen, Wissensmanagement und Internet Provider regelmäßig jeden Donnerstag von 18 bis 21 Uhr, um über eine gemeinsame Zukunft zu diskutieren. Einige Unternehmer entschieden sich dafür, doch lieber ihre eigenen Wege zu gehen. Übrig blieben zehn Firmen mit zusammen 100 Mitarbeitern, die - räumlich über Kreuzberg, Prenzlauer Berg und Treptower Park verteilt - im März 1999 eine GmbH gründeten. Nach einem guten Jahr zogen sie Bilanz: "Unsere Erfahrungen sind eindeutig positiv. Die eingebrachte Arbeit fängt an, sich auszuzahlen. Unser großer Wettbewerbsvorteil ist, dass wir unseren Kunden sowohl Diversifikation in der Breite, als auch Spezialisierung in die Tiefe anbieten", resümiert Geschäftsführer Thomas Groß.

Die IT-Solutions Network GmbH ist eine Produktions-, Einkaufs- und Vertriebsgemeinschaft. Sie betreibt Ressourcen-Sharing, Personal-und Informationsaustausch. "Mittelständische Unternehmen bekommen bei uns das gesamte IT-Portfolio aus einer Hand. Gemeinsam können wir gegenüber großen Auftraggebern ein ganz anderes Auftreten an den Tag legen als eine kleine Einzelfirma. Jeder im Verbund hat somit die Möglichkeit, sich auf das zu konzentrieren, was er selbst am besten kann. Denn die Spezialisierung in der IT-Branche ist so weit voran geschritten, dass alles, was nicht Kernkompetenz ist, ein Verlustgeschäft ist. Die Einarbeitungszeit wäre viel zu hoch."

Der Vorteil für den Kunden: Er hat einen einzigen Ansprechpartner und spart Zeit für die eigene Suche. "Auch wenn die Festplatte 50 Mark mehr kostet als bei VOBIS, weiss ich dass ich Hilfe bekomme. Wenn ich alles selbst organisieren müsste, hätte ich höhere Kosten, als wenn ich mich mit meinem gesamten Bedarf an einen Generalunternehmer wende. Ich will eine schlüsselfertige Technologie", fasste es jüngst ein zufriedener Kunde zusammen.

Die fünf wichtigsten Erfolgsfaktoren für den Aufbau des virtuellen Unternehmens

Glaube an eine gemeinsame Vision

gegenseitiges Vertrauen

hohe fachliche Kompetenz der einzelnen

Firmen im Verbund

Einbeziehung der Mitarbeiter

ständige Weiterbildung der Mitarbeiter

Die gemeinsame Vision entstand bei IT-Solutions Network im ständigen Dialog der Partner miteinander. Das Vertrauen wurde gefestigt durch soziale Aktivitäten außerhalb der Arbeitszeit. "Nach unseren Donnerstags-Besprechungen sind wir immer noch zusammen ein Bierchen trinken gegangen. Man darf die informelle Schiene nicht unterschätzen", rät Thomas Groß. Ein Anreiz zur permanenten Weiterentwicklung der fachlichen Kompetenz besteht darin, dass die zehn Einzelunternehmen intern wie Fremdfirmen behandelt werden. Wenn das Know-how einer Firma nicht ausreicht, werden Aufträge auch an Dritte vergeben. Das spornt an.

Zur Einbeziehung der Mitarbeiter sagt Groß: "Wenn kleine Firmen sich zusammenschließen ist es wichtig, dass nicht nur die Geschäftsführer miteinander können. Damit sich auch die Mitarbeiter kennenlernen, haben wir eine gemeinsame Party gemacht". Die Weiterbildung wurde bisher über öffentliche Fördermittel finanziert.

Seine persönliche Bilanz zieht Thomas Groß so: "Ich habe gelernt zu lernen. Finanziell gesehen war es kurzfristig ein Rückschritt, eine Firma zu gründen. Als Einzelberater habe ich mehr verdient und weniger Kosten gehabt. Aber langfristig wäre es keine Perspektive für mich gewesen, allein zu arbeiten. Allein zu Hause zu sitzen, führt zu einer großen Vereinsamung. Ich möchte das soziale Umfeld, das ich mir durch die Firmengründung geschaffen habe, nicht mehr missen. Im Team ist es viel interessanter."

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