Wirtschaft : Wie lange kann ich noch mit der D-Mark bezahlen?

HEIKE JAHBERG

Noch 28 Tage bis zum Euro.Zwar werden Sie das neue Bargeld erst ab dem 1.Januar 2002 in Händen halten, doch als Buchgeld gibt es die neue Währung bereits ab Anfang des nächsten Jahres.Welche Konsequenzen hat das für Firmen, Anleger und Verbraucher? Soll ich meine Fonds verkaufen, meine Konten schon im nächsten Jahr auf den Euro umstellen, und was wird sich für die Firmen ändern? Fragen, die Sie unseren Experten am Mittwoch abend auf der Euro-Hotline des Tagesspiegels gestellt haben.Was Heinz Grimm (Bankgesellschaft Berlin), Martin Laubisch (DG Bank), Jutta Lieneke-Berns (EU-Vertretung in Berlin) und Manfred Kern-Nelle (IHK Berlin) geantwortet haben, lesen Sie hier



FRAGE: Welchen Kurs wird der Euro im Verhältnis zur D-Mark haben?

ANTWORT: Das kann man jetzt noch nicht abschließend sagen.Der Euro-Kurs wird aber auf jeden Fall identisch sein mit dem letzten Kurs der Ecu am 31.Dezember dieses Jahres.Zur Zeit steht die Ecu bei 1,95 DM/1,96 DM.

FRAGE: Lohnt es sich, mit dem Euro-Kurs zu spekulieren?

ANTWORT: Nein.Denn für die Teilnehmer an der Wirtschafts- und Währungsunion gilt ein fester Wechselkurs.Es ist daher völlig egal, wann Sie Ihre D-Mark in Euro umtauschen.Sie bekommen immer denselben Kurs.

FRAGE: Ich habe Renten- und gemischte Fonds.Sollte ich die Anteile verkaufen, bevor der Euro kommt?



ANTWORT: Warum? Nur wenn Sie ein ausgesprochener Euro-Skeptiker sind, sollten Sie in Währungen wie den US-Dollar oder den Franken ausweichen.Aber dazu gibt es keinen Anlaß.Der Euro verspricht, eine stabile Währung zu werden, und wird von den internationalen Finanzmärkten akzeptiert.Legen Sie Ihr Geld so an, wie sie es auch sonst tun würden - ohne Rücksicht auf den Euro.



FRAGE: Ich habe eine Dollar-Anleihe, die noch bis Februar 2002 läuft.Sollte ich sie verkaufen?

ANTWORT: Der Kurs des US-Dollars dürfte in den nächsten Monaten sinken.Aber das Zinsniveau in den USA ist deutlich höher als in Euroland.Daher sollten Sie das Papier besser halten.



FRAGE: Ich habe Geld in Pfund-Anleihen angelegt.Nun gehört Großbritannien nicht von Anfang an zum Euroland.Welche Konsequenzen hat das für meine Anleihen?

ANTWORT: Sie müssen damit rechnen, daß das Pfund nachgeben wird.Die Konjunktur in Großbritannien hat ihren Zenit überschritten, zudem drängt die Exportwirtschaft darauf, daß die heimische Währung billiger wird.Außerdem wollen ja auch die Briten bei der Währungsunion mitmachen - allerdings wohl frühestens in zwei Jahren.



FRAGE: Wann muß ich mein Bargeld umtauschen?

ANTWORT: Frühestens in gut drei Jahren, ab dem 1.Januar 2002.Vorher gibt es die neuen Banknoten und Münzen - Euro und Cent - noch nicht als Bargeld.



FRAGE: Wie lange kann ich mit Euro und D-Mark parallel bezahlen?



ANTWORT: Zwei Monate.Ab März 2002 wird die D-Mark nicht mehr gesetzliches Zahlungsmittel sein.Sie können Ihr Geld aber danach noch jahrelang bei den Kreditinstituten und den Landeszentralbanken eintauschen.

FRAGE: Greift eigentlich das Geldwäschegesetz auch beim Umtausch von D-Mark in Euro?



ANTWORT: Ja.Wenn Sie im Jahr 2002 einen Betrag von 5000 DM oder mehr bar in Euro tauschen, müssen Sie sich bei der Bank ausweisen.Das Kreditinstitut muß nach dem Geldwäschegesetz den Vorgang auch dokumentieren.Für Bareinzahlungen auf Ihr Girokonto liegt die Grenze höher.Hier müssen Sie sich erst ab einer Summe von 30 000 DM identifizieren.Falls Sie der Ausweispflicht entgehen wollen, können Sie die Summe aber natürlich so stückeln, daß Sie unter der Grenze bleiben.

FRAGE: Gilt das auch für Tafelpapiere?

ANTWORT: Ja.Wenn die Papiere auslaufen und Sie sich die angelegte Summe am Schalter auszahlen lassen, findet das Geldwäschegesetz Anwendung.



FRAGE: Sollte ich meine Konten jetzt schon von D-Mark auf Euro umstellen?



ANTWORT: Sie können das natürlich tun, aber für Privatleute ist ein solcher Schritt nicht besonders sinnvoll.Bedenken Sie: In den nächsten Jahren wird unser Leben noch weitgehend von der D-Mark bestimmt.Miete, Versicherungsbeiträge und Rechnungen dürften in den allermeisten Fällen bis zum Jahr 2002 noch in D-Mark ausgewiesen werden.Das kann dann natürlich zu Mißverständnissen führen, wenn Sie Ihre Geschäfte bereits völlig in der neuen europäischen Gemeinschaftswährung führen.Zudem ist es natürlich auch für die Banken einfacher, die Konten der Kunden auf einen Schlag umzustellen.

FRAGE: Was ist mit der Extragebühr für Abhebungen an ausländischen Geldautomaten mit Kredit- oder ec-Karte? Muß ich die auch dann noch bezahlen, wenn der Euro da ist?

ANTWORT: Wahrscheinlich schon.Zwar fallen ab dem Jahr 2002 die Kosten für die Umrechnung der Devisen weg, aber der Auslandseinsatz wird wohl weiterhin gebührenpflichtig bleiben.Immerhin brauchen die Banken ein aufwendiges Korrespondenzbanken-Netz im Ausland.

FRAGE: Ich bin Inhaber einer kleinen Firma.Was kümmert mich der Euro? Ich mache doch meine Geschäfte hier in der Region.

ANTWORT: Natürlich kann Sie niemand zwingen, sich schon jetzt auf den Euro einzustellen, Ihre EDV und Ihr Rechnungswesen an die neue Währung anzupassen oder Ihre Rechnungsabschlüsse in Euro auszuweisen.In der Wirtschaft wird es sicherlich unterschiedliche Geschwindigkeiten bei der Anpassung an den Euro geben.Die großen Firmen stellen schnell um, die kleinen langsamer.Doch bedenken Sie: Viele Auftraggeber - gerade unter den größeren Unternehmen - fordern schon jetzt ihre Zulieferer auf, Preislisten in Euro abzugeben.Über kurz oder lang werden Sie sich dem Problem daher stellen müssen (dazu auch der Kasten: Checkliste für Unternehmen).

FRAGE: Wird der Euro den Wettbewerb verändern?

ANTWORT: Ja.Die gemeinsame Währung schafft eine größere Preistransparenz.Die Angebote von Unternehmen aus verschiedenen Ländern sind jetzt auf einen Blick vergleichbar.Das betrifft zwar zunächst vor allem grenzüberschreitende Geschäfte, hat aber letztlich auch Konsequenzen auf regionale Firmen.

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