Wirtschaft : Wie lange sollen wir arbeiten?

20.06.2003 00:00 UhrVon -

Aus der Forderung nach weniger Feiertagen ist längst eine Debatte um mehr Arbeit geworden

Berlin (uwe/brö/asi). Die Debatte um die Zahl der Feiertage in Deutschland, die Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) zu Wochenbeginn angestoßen hatte, wird von Volkswirten und Arbeitszeitexperten mit einem etwas anderen Zungenschlag weiter geführt: Einig sind sich die Experten darin, dass die Arbeitszeit in Deutschland zu unflexibel ist und damit die Arbeitskosten erhöht. Deshalb plädiert Arbeitgeberpräsident Hundt vor allem für flexiblere Arbeitszeiten: „Dazu bieten sich Arbeitszeitkonten, tarifliche Arbeitszeitkorridore und betriebliche Optionsmöglichkeiten an.“

Dass sich die Frage der Arbeitszeit nicht auf die Feiertage beschränken lässt, zeigen auch die einzelnen Bundesländer (siehe Grafik).

So hat Bayern die meisten Feiertage, hat aber auch die höchste Wirtschaftskraft – wenn man einmal von den Besonderheiten der Stadtstaaten Hamburg und Bremen absieht. Allerdings gelten die Unternehmen in Bayern und BadenWürttemberg auch als besonders kreativ und flexibel, wenn es um die Organisation der Arbeit und um die Frage der Maschinenlaufzeiten in den Unternehmen geht. Außerdem spielt die Frage des Verhältnisses von Industrie- und Dienstleistungsarbeitsplätzen eine Rolle.

Dass es in den Unternehmen vor allem auf den Arbeitsfluss ankommt, zeigt auch die besondere Bedeutung, die Volkswirte und Arbeitgebervertreter den Brückentagen zuweisen. Sie belasten die Wirtschaft nämlich gleich doppelt, weil am Feiertag selbst nicht gearbeitet wird. Und weil am Tag darauf der Arbeitsfluss wieder weitgehend unterbrochen bleibt, da viele Beschäftigte die Zeit für ein verlängertes Wochenende oder einen Kurzurlaub nutzen. „Wenn die Feiertage nicht gerade auf einen Freitag oder Montag fallen, sorgen die Brückentage dafür, dass die Betriebe zu lange still stehen. Das erhöht die Kosten zusätzlich“, klagt BDI-Präsident Michael Rogowski.

Der Berliner Ökonom Jürgen Kromphardt, einer der fünf „Wirtschaftsweisen“, hält die Abschaffung eines Feiertages außerdem im Augenblick für ein „falsches Signal, weil dies erneut die Arbeitnehmer belasten würde“. Statt einer Verlängerung der Arbeitszeit sei eine Verkürzung nötig – „aber ohne Lohnausgleich“, sagte er dem Tagesspiegel. Vor allem durch eine Ausweitung der Teilzeitarbeit könne so die Beschäftigung erhöht werden.

Bei der Streichung eines Feiertages würde laut Kromphardt die Produktion der Unternehmen ohnehin nur „ein wenig“ ansteigen. Allerdings werde die Nachfrage konstant bleiben. Deshalb bestehe die Gefahr, dass die Unternehmen sogar Stellen abbauen, wenn sie feststellten, dass ihnen die Verbraucher die zusätzlich produzierten Produkte gar nicht abkauften.

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