Wie man Schnee macht : Mit Lanzen und Kanonen

Schneekanonen sind die Lebensversicherung für Skigebiete - doch sie sind teuer und benötigen große Mengen Energie und Wasser

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Eine Schneekanone schießt in hohem Bogen Schnee in den blauen Himmel.
Volles Rohr. Ohne Schneekanonen geht in diesem Winter in den Bergen nicht viel. Besonders Skigebiete in Österreich und Italien...Foto: dpa

Die gute Nachricht ist: In Deutschland und Österreich kommen nur Wasser und Luft aus den Schneekanonen. Jegliche Zusatzstoffe wie etwa Bakterien, die den Gefrierpunkt beeinflussen, sind verboten. Im Fachjargon heißen die maschinell erzeugten Eiskristalle technischer Schnee – im Gegensatz zum Kunstschnee auf der Theaterbühne oder im Film, der meist aus Plastik oder Styropor gemacht wird. Bei der Produktion von technischem Schnee wird die Entstehung des Naturschnees nachgeahmt: Düsen zerstäuben das Wasser zu feinsten Tröpfchen, der Wassernebel trifft auf ein ebenfalls fein zerstäubtes Wasser-Druckluft-Gemisch, das die Schneekerne (Nukleide) enthält. Gelangt beides zusammen in die Umgebungsluft, bildet sich das Wasser-Luft-Gemisch zur Schneeflocke aus. Die schlechte Nachricht ist: Die Produktion technischen Schnees ist kostspielig, energieintensiv und beeinflusst den sensiblen Naturraum der Alpen.

Marktführer ist die 1990 gegründete Firma Techno Alpin aus Bozen. Die Südtiroler sind mit ihren Beschneiungsanlagen in mehr als 1000 Skigebieten in 45 Ländern der Welt vertreten. Mit 400 Mitarbeitern setzten sie zuletzt 125 Millionen Euro um. Das entspreche in etwa einem weltweiten Marktanteil von 50 Prozent, sagt eine Firmensprecherin. Konkurrenten sitzen in Italien (Demaclenko), Frankreich (MND Group), der Schweiz, den USA oder auch Polen (Supersnow).

Es gibt zwei Arten von Schneeerzeugern: Die Propellermaschinen oder auch Schneekanonen sind schwenkbar, haben eine Wurfweite von 60 Metern und sind geeignet für breite Pisten und hohen Schneebedarf. So eine Propellermaschine kostet bei Techno Alpin etwa 35 000 Euro. Die Schneelanzen (ab 15 000 Euro) mit bis zu neun Meter langen Rohren sehen aus wie überdimensionierte Freiluftduschen. Sie lassen den Schnee von oben herabrieseln, so dass ein Haufen entsteht, den der Pistenbully verteilen muss.

Ohne Speicherseen, Rohre, Pumpen und Kabel geht nichts

Doch mit Schneeerzeugern allein ist es nicht getan. Moderne Beschneiungsanlagen sind ein komplexes System aus Speicherteichen für das Wasser, Pumpstationen, Rohrleitungen, Stromkabeln, Energieversorgung, Kühltürmen und Datenkabeln für die Steuerung. Die Kosten einer Anlage hängen stark von den örtlichen Gegebenheiten ab. Das gilt auch für die Schneeerzeugung, bei der zudem auch die Umgebungstemperatur eine große Rolle spielt. Zwei bis drei Euro pro Kubikmeter koste der technische Schnee, gibt die Techno-Alpin-Sprecherin an, andere Quellen sprechen von bis zu sieben Euro. Umweltschützer kritisieren den hohen Energieverbrauch und den massiven Eingriff in den Wasserhaushalt der betreffenden Regionen.

Techno Alpin erwartet kein großes Wachstum in der nächsten Zeit, auch wenn neue Märkte etwa in Asien hinzukommen. Ihr bisher größtes Projekt errichten die Südtiroler derzeit in Aserbaidschan. 216 Schneeerzeuger plus die nötige Infrastruktur hat die Regierung bestellt, um dort das erste Skigebiet des Landes zu bauen.



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