Wirtschaft : Wie man Verluste und Gewinne auch dreht, der Fiskus greift in jedem Fall zu

Kathrin Quandt

Abwarten und stillhalten ist nicht jedermanns Sache. Schon gar nicht, wenn Geld auf dem Spiel steht. Wer Optionen verkauft, muss als sogenannter Stillhalter starke Nerven haben - egal, ob es um Kauf- oder Verkaufsoptionen geht. Beispiel Aktienoptionen. Entwickeln sich die Kurse in die falsche Richtung, muss der Anleger beim ersten Fall Titel zu billig abgeben oder - im zweiten - sie zu teuer zurückkaufen. Als Ausgleich für sein Absturzrisiko erhält der Stillhalter vom Käufer der Option eine Prämie. Schade nur, dass der Fiskus gleich zugreift, denn die Optionsprämie muss in jedem Fall versteuert werden. Bereits in seinem Urteil vom 28. November 1990 hatte der Bundesfinanzhof klargestellt: Die Optionsprämie ist eine Vergütung für die Bindung des Verkäufers und die Risiken, die er durch die Einräumung des Optionsrechts eingeht. Demnach ist sie ein Entgelt für eine sonstige Leistung im Sinne des Einkommensteuergesetzes - und somit steuerpflichtig.

Dafür gibt es seit Anfang dieses Jahres bei Optionen erweiterte Möglichkeiten, um Verluste zu verrechnen. Denn wenn der Anleger innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist Verluste erleidet, können diese zunächst mit Spekulationsgewinnen aus 1999 verrechnet werden. Noch verbleibende Verluste können mit entsprechenden Gewinnen aus dem Jahr 1998 verrechnet werden. Anschließend können Investoren noch verbliebene Verluste zeitlich unbegrenzt auf die Jahre 2000, 2001 etc. vortragen. Vor 1998 war ein Vor- oder Rücktrag nicht möglich. Derzeit ist ein Eilverfahren beim Bundesfinanzhof anhängig, in dem geklärt werden soll, ob ernstliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit dieser Beschränkung der Verlustverrechnung bestehen; entsprechend hatte das Finanzgericht Düsseldorf kürzlich entschieden.

Die geltende Regelung seit Januar bedeutet für den Stillhalter bei Optionsgeschäften:Die Spekulationsfrist ist auf den Basiswert, etwa eine Aktie, zu beziehen. Der Verkäufer einer Kaufoption muss Aktien liefern, wenn sein Gegenpart von seinem Optionsrecht Gebrauch macht. Muss er seiner Lieferverpflichtung nachkommen und dazu die Titel erst noch erwerben, kommt es darauf an, wie viel Zeit seit dem Verkauf der Option verstrichen ist. Handelt es sich um weniger als ein Jahr und erleidet der Verkäufer dabei einen Verlust, kann er diesen wie beschrieben mit Spekulationsgewinnen verrechnen. Für Verkäufer gilt dasselbe Prinzip, wenn sie auf Grund ihrer Stillhalteverpflichtung Aktien abnehmen müssen und sie dann innerhalb eines Jahres mit Verlust veräußern.

Für den Verkäufer hat die Sache aber einen Haken. In vielen Fällen muss sich der Stillhalter gar nicht kurzfristig oder innerhalb der Einjahresfrist mit Aktien eindecken, um Lieferverpflichtungen nachzukommen. Stattdessen halten zahlreiche Privatanleger, die in die Stillhalter-Rolle schlüpfen, die jeweiligen Titel schon längere Zeit in ihrem Depot. Daher können Anleger in vielen Fällen die verbesserten Verlustverrechnungsmöglichkeiten gar nicht nutzen.

Ärgerlich ist auch, dass die Optionsprämie nicht als Spekulationsgewinn angesetzt werden kann. Und der Stillhalter kann Verluste aus dem Ausführungsgeschäft grundsätzlich nicht als Werbungskosten abziehen.

Für Privatanleger, die Optionen verkaufen, zieht Michael Randerath, Steuerberater bei der Frankfurter Kanzlei Bruckhaus, Westrick, Heller, Löber, jedenfalls eine klare Bilanz: "Die Prämien werden besteuert, die Verluste können oft nicht ausgeglichen werden - die Stillhalterposition ist aus steuerlicher Sicht schlichtweg unattraktiv."

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