Wirtschaft : Wie man’s macht

Das Image der Manager hat im vergangenen Jahr gelitten, aber die Gewinne sind gestiegen – auch weil Mitarbeiter zum Verzicht gedrängt wurden

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die Manager hatten 2004 die Wahl: Entweder sie schlugen sich auf die Seite der Pessimisten und blickten sorgenvoll auf den schwachen Dollar, das teure Öl, die flaue Binnenkonjunktur und die zähe Reformdebatte in Deutschland. Oder sie nahmen kräftig steigende Gewinne und Umsätze, eine lebhafte Nachfrage nach deutschen Exportgütern und Wachstumschancen in Osteuropa und Fernost zum Anlass, optimistisch zu sein.

Auch ihr eigenes Bild in der Öffentlichkeit dürften die Unternehmer am Jahresende mit gemischten Gefühlen betrachten: Der Mannesmann-Prozess, die Debatte um Stellenabbau und -verlagerung, Managementfehler bei Opel und Karstadt-Quelle oder die zögerliche Offenlegung von Vorstandsbezügen trübten das Image der Wirtschaftselite. Doch auch ihre Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen. Zum Beispiel gelang nach einer langen Pause 2004 endlich einigen Unternehmen wieder der Gang an die Börse. Fehlstarts von X-Fab oder Siltronic zum Jahresanfang hinderten die Postbank, die Mitteldeutschen Fahrradwerke oder Wincor Nixdorf nicht daran, ihre Aktien zu verkaufen – und den Anlegern Kursgewinne zu bescheren. Zwar hatten sich die Banken viel mehr vom Börsenjahr 2004 versprochen, dennoch machte sich in der Finanzbranche Zuversicht breit. Nachdem 2003 einige Großbanken Rekordverluste verbucht hatten, zahlten sich die harten Spar- und Restrukturierungsmaßnahmen 2004 aus.

Um trotz Kosten- und Wettbewerbsdrucks einen Kahlschlag bei den Arbeitsplätzen zu vermeiden, ringen sich die größten Industriekonzerne in diesem Jahr zu Beschäftigungspakten durch. Der scheidende Siemens-Chef Heinrich von Pierer nutzt die Spielräume des Metall-Tarifvertrags aus und vereinbart mit 2000 Beschäftigten längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich. Er löst damit eine Debatte über die 40-Stunden-Woche und die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer aus. Daimler-Chrysler folgt wenig später mit einem Sparprogramm über 500 Millionen Euro. Konzern-Chef Schrempp, der der angeschlagenen Tochter Mitsubishi eine Finanzspritze verweigert, drängt die Mitarbeiter zu Gehaltsverzicht. Im Gegenzug erhalten sie eine Beschäftigungsgarantie. Volkswagen reiht sich Anfang November ein: Ein drastisches Sparprogramm, das Einbußen bei Löhnen und Gehältern einschließt, wird mit einer Arbeitsplatzgarantie bis 2011 erkauft. Gleichzeitig kämpft VW-Chef Pieschetsrieder mit Absatzproblemen beim neuen Golf V. Ob die Arbeits- und Sparbündnisse halten, wenn sich die Konjunktur 2005 wieder abschwächt, muss sich zeigen. Vor allem bei Karstadt und Opel steht nach der harten Sanierung 2005 mehr als der gute Ruf auf dem Spiel.

Die Wirtschaftsredakteure des Tagesspiegels haben ihr eigenes Urteil über das Können der Manager gefällt – und die Gewinner und Verlierer des Jahres ausgewählt.

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