Wie schlimm ist die Lage? : Krísis, Crise, Crisis

Schon geraten die nächsten Euro-Länder in Schwierigkeiten. Erst wurde die Kreditwürdigkeit Portugals herabgestuft, einen Tag später dann die von Spanien. Wie schlimm ist die Lage?

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Mit Spanien traf es am Mittwochabend das dritte Euroland, nach Griechenland und Portugal: Die Ratingagentur Standard & Poor’s stufte die Kreditwürdigkeit herab. Der Ausblick spiegele wider, dass sich die Haushaltslage in dem Land schlechter als erwartet entwickle. Seitdem wird nicht zuletzt in Berlin die bange Frage gestellt, ob demnächst neue Hilfspakete geschnürt werden müssen.

Eine Absenken der spanischen Kreditwürdigkeit war absehbar. Da in Portugal vor allem spanische Banken aktiv sind, sind die von einer Zuspitzung der portugiesischen Schuldenkrise besonders betroffen. Eine Pleite der weitaus größeren Volkswirtschaft Spanien, die ebenfalls mit einem erheblichen Defizit kämpft, könnte sogar noch schlimmere Folgen als im Fall Griechenlands haben. Allerdings liegt die Gesamtverschuldung des Landes gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) immer noch unter dem EU-Schnitt.

Ein zusätzliches Hilfspaket zumindest für Portugal hält Daniel Gros, Direktor des Brüsseler Think Tank „Centre for European Policy Studies“, für wahrscheinlich: „Wenn die Märkte den Portugiesen kein Geld mehr geben wollen, dann bleibt als letzte Möglichkeit nur noch die EU übrig“, sagte Gros dem Tagesspiegel.

Im Bundesfinanzministerium heißt es, die Lage Griechenlands und Portugals sei nicht vergleichbar. Auch EU-Kommissionssprecher Amadeu Altafaj sagte am Mittwoch, man denke nicht über ein „griechisches Szenario“ für Portugal nach. Ein Vergleich beider Länder sei unangebracht, was schon ein Blick auf die Staatsverschuldung zeige. Sie lag in Portugal 2009 bei 77 Prozent des BIP, in Griechenland bei rund 115 Prozent. Dies sei „Augenwischerei“, sagt Gros, da in Portugal die Gesamtverschuldung, bei der auch die Verbindlichkeiten privater Haushalte und Firmen berücksichtigt werden, noch größer sei als in Griechenland: „Das Land hat genauso über seine Verhältnisse gelebt wie Griechenland, und fundamental sind die Probleme dort ziemlich genau die gleichen.“ Experten erwarten, dass die Gesamtverschuldung gemessen am BIP 2010 schon 86 Prozent beträgt, 2011 könnten es gut 100 Prozent sein.

Portugals sozialistischer Ministerpräsident José Sócrates sucht daher nach einem Ausweg – wie auch Spaniens Regierungschef José Luis Zapatero. In beiden Ländern sind harte Sparprogramme bereits beschlossen. Sócrates kündigte am Mittwoch an, für die kommenden Jahre geplante Eingriffe bereits 2010 vorzunehmen. Die Sorge wächst, dass das Land dem Druck der Märkte nicht standhalten könnte. „Das ist ein entscheidender Augenblick“, sagt Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos. „Das Land muss auf diese Attacke der Märkte antworten.“ Die sozialistische Minderheitsregierung werde „alles Notwendige tun, um das Defizit zu verringern“ und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu erhöhen.

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