Wirtschaft : Wie teuer werden Zigaretten?

Die Hersteller überlegen, die Steuererhöhung für einen Preisaufschlag zu nutzen – Philip Morris: Am Werk Berlin wird nicht gerüttelt

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Berlin (anw/dr). Die Überlegungen des Verbandes der Cigarettenindustrie (VdC), anlässlich der Tabaksteuererhöhung den Preis für eine Schachtel um rund 30 Cent auf dann 4,50 Euro zu erhöhen, stoßen bei den Zigarettenherstellern in Deutschland keineswegs auf ungeteilte Zustimmung. „Wir sind etwas überrascht“, sagte eine Sprecherin von Philip Morris in München. Man habe über den künftigen Preis noch gar nicht nachgedacht. Noch im Frühjahr hatte Philip Morris sogar Preissenkungen nicht ausgeschlossen.

Der Konzern rechnet mit einem Umsatzeinbruch von etwa 30 Prozent in Deutschland, wenn die Steuererhöhung in der geplanten Form vom Parlament beschlossen wird. Dann würde die Schachtel Zigaretten zum 1. Januar 2004 um 40 Cent sowie zum 1. Oktober 2004 und zum 1. Januar 2005 um jeweils 30 Cent teurer. Philip Morris werde sich dann Maßnahmen überlegen müssen. Am Berliner Werk „wird aber nicht gerüttelt“, sagt die Sprecherin . In Berlin produzieren rund 1200 Mitarbeiter etwa 60 Milliarden Zigaretten im Jahr (Marlboro). 2002 hatte Philip Morris dort fast 75 Millionen Euro investiert. Insgesamt beschäftigt der Konzern in Deutschland rund 3000 Mitarbeiter. In München und in Dresden werden jährlich jeweils rund zwölf Milliarden Zigaretten produziert.

Auch bei Reemtsma will man nicht bestätigen, dass eine Schachtel künftig 4,50 Euro kostet. Es sei viel zu früh, über Preise zu spekulieren, sagt ein Sprecher des Hamburger Konzerns. Gleiches gelte für die Zukunft der Werke. Reemtsma beschäftigt in Berlin rund 650 Mitarbeiter und produziert rund 120 Millionen Zigaretten am Tag (West/R1, R6). Eines aber weiß der Sprecher sicher: Der Absatz von Markenzigaretten wird sinken.

Die Verbraucher werden umsteigen, befürchtet auch der Verband der Cigarettenindustrie: billige Handelsmarken, Feinschnitt zum Selberdrehen, Rolls zum Selberstecken und vor allem Schwarzmarktware. So seien in Großbritannien, wo der Preis je Schachtel bei etwa sieben Euro liegt, heute schon ein Drittel aller Zigaretten nicht versteuert. Nach einer vom VdC bei Roland Berger in Auftrag gegebenen Untersuchung könnte der Absatz nach der geplanten Steuererhöhung um 31 Prozent einbrechen. Für den Staat würde dies in den Jahren 2004 bis 2006 Mindereinnahmen von insgesamt 627 Millionen Euro bedeuten. Ohne Steuererhöhung würde der Staat allein 2004 rund 14 Milliarden Euro an Tabaksteuern einnehmen. Rund 8000 Arbeitsplätze seien gefährdet. An der Branche hängen laut VdC rund 100 000 Arbeitsplätze.

Auch Dieter Teufel, Leiter des Umwelt und Prognose-Instituts (UPI), bestätigt, dass der Zigarettenkonsum nach Steuererhöhungen zurückgeht – allerdings nicht zu Lasten des Steueraufkommens. In einer Untersuchung über die Jahre 1961 bis 1996 hat das Institut herausgefunden, dass selbst minimale Tabaksteuererhöhungen zu Absatzrückgängen geführt haben. Zwar stiegen die Verkaufszahlen kurze Zeit später wieder, aber auch langfristig erreichte der Absatz nicht mehr das Niveau vor der Steuererhöhung. Dennoch sei das Tabaksteueraufkommen des Staates nicht gesunken.

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