Wirtschaft : Wieder in die Schule

Wie man auf dem zweiten Bildungsweg zum Abitur gelangen kann.

„Das kann noch nicht alles sein!“ Das dachte sich Ina Kunz schon während ihrer Ausbildung. „Ich habe meinen Realschulabschluss gemacht und Textilsiebdruckerin gelernt“, erzählt die 23-Jährige. „Aber ich habe schnell gemerkt, dass der Beruf nichts für mich ist.“ Ein Lehrer an der Berufsschule ermunterte sie damals: Du hast das Zeug zum Studieren. Sie entschied, das Abitur nachzumachen und Lehrerin zu werden. Für Kunz und andere ohne Abitur gibt es viele Möglichkeiten, die Hochschulreife im zweiten Anlauf zu erwerben – wichtig ist, den passenden Weg zum Abi zu finden.

Den zweite Bildungsweg prägen vor allem zwei Schulformen: Das Kolleg und das Abendgymnasium. Für beides brauchen die Lernwilligen ein Mindestalter von 18 Jahren, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder zwei Jahre Berufserfahrung. Außerdem müssen sie den Realschulabschluss haben. Wer diesen nicht hat, muss ihn zunächst an einer Abendrealschule oder einer Volkshochschule (VHS) nachmachen.

Beim Kolleg sitzen die „Studenten“, wie die Schüler genannt werden, rund 30 Stunden in der Woche im Klassenzimmer, meist vormittags, gelegentlich auch nachmittags. Beim Abendgymnasium wird meist von 18 bis 22 Uhr gepaukt, rund 20 Stunden in der Woche. Bei beiden Schulformen dauert es drei Jahre, bis man es zur allgemeinen Hochschulreife gebracht hat. Wie sonst auch werden Leistungskurse gewählt und regelmäßig Klausuren geschrieben. Die Klassengröße schwankt zwischen 15 und 25 Personen. Im Gegensatz zur klassischen Schule kann man sich in vielen Kollegs und Abendschulen nicht nur im Herbst, sondern auch im Frühling einschreiben.

„30 Prozent des Abis sind schon gewonnen, wenn man sich die richtigen Fragen stellt“, sagt Tobias Funk von der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin: Wie frisch sind meine Schulkenntnisse noch? Muss ich nebenbei Kinder großziehen? Welche Art, das Abitur nachzuholen, kann ich mir finanziell leisten? „Ich will mich voll aufs Abi konzentrieren, daher war der Tagesunterricht am Kolleg der richtige Weg für mich“, sagt Ina Kunz, die am Westfalen-Kolleg in Dortmund ihre Hochschulreife nachholt.

Ihren Lebensunterhalt bestreitet sie mit einem Nebenjob in einer Diskothek und einem speziellen Schüler-Bafög. „Für Personen, die ihr Abi auf dem zweiten Bildungsweg nachholen, ist dieses elternunabhängig“, sagt Hoffmann. Dieses Bafög ist ein Vollzuschuss, es muss nichts zurückgezahlt werden.

Wer mehr Geld benötigt oder aus seinem bisherigen Job nicht aussteigen will, ist beim Abendgymnasium richtig. „Viele Chefs unterstützen Mitarbeiter, die ihr Abi nachholen wollen“, sagt Angela Hoffmann, Vorsitzende des Bundesrings der Abendgymnasien. Wer mehr Freiräume braucht oder kein Kolleg oder Abendgymnasium in der Nähe hat, für den könnte sich ein Fernabitur bei einem privaten Institut anbieten. Betreuung durch Dozenten und das Lehrmaterial muss man jedoch im Gegensatz zu den kostenfreien öffentlichen Schulen bezahlen. dpa

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