Wirtschaft : Wieder mehr als 500 000 Arbeitslose

BERLIN (sch).Die Zahl der Arbeitslosen in Berlin-Brandenburg ist im Januar deutlich gestiegen.Wie das Landesarbeitsamt am Mittwoch bekanntgab, waren erstmals seit April 1998 wieder mehr als eine halbe Million Menschen in der Region ohne Arbeit.Vor allem im Baugewerbe, aber auch wegen des auslaufenden Weihnachtsgeschäftes im Handel wurden saisonbedingt Arbeitsplätze abgebaut.Da aufgrund der winterlichen Witterung bereits im Dezember die Arbeitslosenzahl gestiegen war, fiel die Zunahme im Januar aber schwächer aus als zu Beginn der vergangenen Jahre.

In der Region insgesamt erhöhte sich im Januar die Arbeitslosenquote um einen Prozentpunkt auf 17,2 Prozent; vor einem Jahr betrug sie 18,5 Prozent.In Berlin waren Ende Januar 277 800 Arbeitslose gemeldet, 9700 mehr als vor einem Monat, jedoch 11 800 weniger als vor einem Jahr.In Brandenburg stieg die Zahl der Arbeitslosen im Januar um 19 800 auf 228 800 Personen, 26 400 weniger als vor einem Jahr.Die höchsten Erwerbslosenquoten in Brandenburg hatten die Arbeitsamtsbezirke Cottbus (21,3 Prozent) und Eberswalde (20,7), gefolgt von Neuruppin (18,4) und Frankfurt an der Oder (16,7).Potsdam hatte mit 14,8 Prozent die niedrigste Quote.

Daß sich die Zahl der Arbeitslosen nicht noch kräftiger erhöhte, ist nach Angaben des Landesarbeitsamtes auf die Arbeitsmarktpolitik zurückzuführen.Die Arbeitsämter hätten den Arbeitsmarkt durch Leistungen der Arbeitsförderung erheblich stärker entlastet als vor einem Jahr, heißt es in dem Monatsbericht des Landesarbeitsamtes.

In einer Stellungnahme zu den jüngsten Statistiken sprach Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner von einem "leicht positiven Trend".Um jedoch "den angepeilten Jahresdurchschnitt auf 270 000 Arbeitslose zu senken", seien verschiedenen Voraussetzungen nötig.Da die Kluft zwischen den Anforderungen der Unternehmen und den Qualifikationen der Arbeitssuchenden immer größer werde, müßten sich die Arbeitnehmer "entsprechend qualifizieren".Das gelte insbesondere für Berlin, wo 43 Prozent der Arbeitslosen ungelernt sei.Gerade für diese Problemgruppe biete der Dienstleistungssektor "immer mehr Perspektiven".Zudem suchten "nahezu "alle High-Tech-Unternehmen Softwareexperten und Programmierer".Viele Arbeitslose sollten deshalb umlernen, "damit dieses Defizit nicht zur Wachstumsfalle für Berliner Firmen wird", meinte Branoner.Arbeitssenatorin Gabriele Schöttler erklärte die hohe Arbeitslosigkeit mit dem anhaltenden Strukturwandel in Berlin."Noch immer fallen mehr Arbeitsplätze weg als neue entstehen." Schöttler betonte, "die aktive Arbeitsmarktpolitik bleibe unverzichtbar"; insbesondere strebe sie eine "präventive, unternehmensnahe Arbeitsmarktpolitik an, die direkt auf den ersten Arbeitsmarkt zielt".

Nach Berufen differenziert gibt es in Berlin-Brandenburg weiterhin in den Verwaltungs- und Büroberufen mit 69 800 die meisten Arbeitslosen, gefolgt von den Bauberufen (44 700), den Warenkaufleuten (43 000) sowie den Schlossern und Mechanikern (31 400).In fast allen Wirtschaftsbereichen lag die Zahl der Arbeitslosen jedoch zum Teil deutlich unter dem Vorjahreswert.Unter den Malern und Lackierern gab es indes 1100 mehr Jobsuchende als im Januar 1998.

Die Beschäftigung in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) ist in der Region im Jahresvergleich gestiegen.Insgesamt 50 600 Personen (Berlin: 20 100) waren in ABM tätig, 31 500 mehr als vor einem Jahr (Berlin: plus 11 400).Durch sogenannte Strukturanpassungsmaßnahmen - hinter denen sich Lohnkostenzuschüsse für die Einstellung Arbeitsloser verbergen - wurden 49 600 Personen beschäftigt, fast doppelt soviele wie im Vorjahr.In Berlin gewährten die Arbeitsämter in 16 000 Fällen Lohnkostenzuschüsse.

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